Salzlandpest – „Blut & Salz“ – Rezension

Nicht allzu viel ist bekannt über die Formation Salzlandpest aus dem Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Das Duo besteht aus den Musikern Nekroth und Turgoth und veröffentlichte mit dem 2024 über Christhunt erschienenen Debütalbum „Als die Flammen loderten“ das überhaupt erste Lebenszeichen. Das oben genannte Album stieß nach Veröffentlichung im schwarzmetallischen Untergrund auf wirklich gute Resonanz und man war gespannt, ob und wie es weitergehen würde.
Nun also liegt uns der kürzlich erschienene Nachfolger „Blut & Salz“ vor und man darf gespannt sein. Das Album gliedert sich in 3 Teile, von denen der erste Teil „Blut & Salz“ titelgebend ist und auch mit gleichnamigem Lied startet. Wie das erste Stück vom Debütalbum wird auch „Blut & Salz“ mit der Melodie vom „Steigerlied“ eingeleitet. Kurz darauf legen Salzlandpest los und präsentieren uns ein gutes, melodisches Lied zu stampfendem Rhythmus.
„Lasst es Engel regnen“ beginnt kurz akustisch und mit marschähnlichen Trommeln und zeigt sich zunächst gemächlich, nur um bei Liedmitte kurz aggressiv auszubrechen. Der Refrain walzt sich dahin und wartet mit gedoppeltem Gesang auf (Schwarzkreischen und Todesgrollen). Dieses Stück ist bereits einer der musikalischen Höhepunkte des Albums.
„Uns’re Bode“ ist eine Ode an den linken Zufluss zur Saale. Hymnisch und stampfend präsentieren die beiden Herren hier ihre Interpretation von Heimatverbundenheit. Das Stück lädt zum Mitwippen und Schütteln des Haupthaars, so denn vorhanden, ein.
„Die Flammen lodern“ wird von Chorgesang eingeleitet. Alsbald setzt der Gesang giftig keifend ein, begleitet von pumpendem Schlagwerk. „Gott ist tot, ihr steht in Flammen.“ Dieses Lied ist ein wahrhaftig gutes Stück.
Danach folgt mit „Herbst“ ein instrumentales Stück mit melancholischer Melodie. Zwischendurch wechselt die Gitarre etwas tiefer gestimmt ins Todesblei, begleitet von einer schnellen Zwischenpassage.

Nun folgt der Vierteiler „Alte Salzstadt“, der Kern des Albums. Mit Salzstadt ist die Stadt Staßfurt in Sachsen-Anhalt gemeint. „Alte Salzstadt – Part I: Die Planung“ erzählt vom geplanten Großangriff der Alliierten auf Staßfurt, Halle, Halberstadt und Eisleben. Das Lied erfährt mehrere Wendungen in Tempo und Dynamik. „Menschenleben spielten dabei keine Rolle.“ Salzlandpest behandeln hierbei eine meiner Meinung nach interessante Thematik, welche nicht alltäglich ist.
„Alte Salzstadt – Part II: Der Grossangriff“ [sic] beginnt mit Luftschutzsirenen und Fliegern. Hierbei wird die Geschichte mit der Schilderung des Bombenangriffs vom 31. März 1945 auf Staßfurt fortgesetzt. In der zweiten Hälfte des Stücks werden Gitarren und Schlagwerk mehr und mehr zur Begleitmusik für die Geräusche der Bombardements.
In „Alte Salzstadt – Part III: Der Einmarsch“ wird die Aggression des eben genannten Einmarschs in musikalische Form gegossen. Die Saitenfraktion kann hierbei besonders glänzen. Zwischendurch wird kurz die Handbremse angezogen, nur um kurz darauf wieder loszulegen. Nekroths Gesang klingt hier, wie auch auf den anderen Liedern von „Alte Salzstadt“, schon fast erzählend.
In „Alte Salzstadt – Part IV: Das Uranerz“ wird einer der Gründe für den Einmarsch der Alliierten benannt: die Beschaffung von Uran aus dem Kaliwerk Friedrichshall im Jahre 1944. Dies wurde durch den eigens dafür gegründeten Uranverein gefördert. Das Stück weist eine hypnotische Gitarrenmelodie auf. Der Schluss zeigt sich wie der Anfang: ruhig mit gutem Bassspiel und tiefer gestimmter Gitarre. Ich bin beeindruckt von der musikalischen und textlichen Abhandlung des Themas.
Nun folgt der dritte Teil des Albums, welcher hier als „Bonus“ fungiert. Los geht es mit „Erwachen – Part I“, welches sich melancholisch und getragen zeigt. Auf Gesang wird hierbei vollständig verzichtet. Das Rauschen eines Bachs (zu Beginn) und das Raunen des Winds (zum Schluss hin) wurden geschickt ins Lied integriert.
„Zerfall – Part II“ ist die musikalische Fortsetzung von Teil I und zeigt sich schleppend und teils dissonant. Allerdings greifen Salzlandpest die melancholische Melodie des ersten Teils wieder auf. Geräusche eines Gewitters begleiten das abermals rein instrumentale Stück.
Lied Nr. 12 „In mir“ beginnt experimentell mit gezupftem Bass und kleinen Klangexperimenten im Hintergrund. Musikalisch setzt es die beiden vorherigen Stücke fort und präsentiert sich zudem abermals ohne Gesang.
Das abschließende Lied „Begierde“ ist zum Großteil ruhig gehalten und die Stimme ist leicht verzerrt. „Die Stimme wird lauter und lauter.“ Alles in allem ist dieses Lied ein würdiger Abschluss.
Fazit:
Das zweite Album von Salzlandpest ist überaus hörenswert. Vor allem vom musikalischen Aufbau und textlichen Überbau ist es sehr interessant und einfallsreich gestaltet. Wie bereits erwähnt gliedert sich das Album in die drei Teile „Blut & Salz“, „Alte Salzstadt“ und den „Bonus“, welcher mit Ausnahme von „Begierde“ rein instrumental gehalten ist. Erhältlich ist das Werk als auf 100 Stück limitierte A-5-Digi-CD, als normale Digi-CD und als auf 50 Stück limitierte Kassette. Die Scheibe wurde ebenfalls wieder über Christhunt Productions herausgebracht. Auf eine Veröffentlichung auf Vinyl darf noch gehofft werden. Ich spreche hiermit eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aus.
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