Germanitas Othala
Ruthanas – „In der Felsenschlucht“ – Rezension

Vor vier Monaten erschien bei der relativ kleinen Plattenfirma „Journey To The End“ das Debütalbum des im Jahre 2020 ins Leben gerufenen Projekts Ruthanas (Eigenschreibweise Ruþanaz) aus Thüringen, welches auf den Namen „In der Felsenschlucht“ hört. Ursprünglich zu zweit gestartet, trennte sich Gitarrist und Sänger Narþuz von Bassist und Gründungsmitglied Fenrir vor den Aufnahmen des vorliegenden Albums. Dem Album vorausgegangen waren im Jahre 2021 die EP „Yggdrasil“ und das ebenso wie „Yggdrasil“ rein digital erschienene „Demo Tape 2020“.

Soweit ist die Vorgeschichte bereits besprochen. Nun kommen wir aber zum vorliegenden Tonträger. Als Einleitung erklingt „Ruf der Walküren“, welches kurz gehalten ist und aus akustischer Gitarre und einer begleitend unterlegten Rede von Ragnar Lothbrok aus der Serie „Vikings“ besteht. Die lyrische Thematik des Albums erschließt sich dem Hörer bereits recht schnell. Sie bezieht ursprünglich Gedanken aus der Edda ein, zeigt auf vorliegender Scheibe aber eher einen konzeptionell fortlaufenden lyrischen Überbau, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Es zeigt die Geschichte eines wandernden Skalden, aber dazu später mehr.

Dem als Einleitung fungierenden „Ruf der Walküren“ schließt sich das Stück „Tal des Todes“ an. Melodisch singende Gitarren versetzen in die richtige Stimmung und klingen von der Stilistik her sehr vertraut. Die Stimme ist relativ verhallt und das Schlagwerk wurde von Grimwald (Wintarnaht, Dauþuz, früher auch bei Isgalder) i in dessen Heimstudio auch die gesamten Aufnahmen stattfanden, persönlich programmiert. Textlich behandelt das Lied die lange und qualvolle Reise des Skalden durch ein mystisches und verkommenes Tal, dessen riesige Felsspalten bereits viele Seelen in den Tod gerissen haben. „Die Geister künden mir: Es führt kein Weg hinaus aus dem Tal des Todes. Kläglich erlieg ich ihm.“ Ein Gitarrensolo zum Ende hin, rundet das Stück ab.

„Der Fluch“ beginnt getragen und wechselt im weiteren Verlauf zwischen schnell und langsam hin und her. Beachtlich dabei ist das Gespür des noch jungen Musikers für gute Melodien. Der Gesang wechselt zwischen Kreischen und Krächzen und ich glaube, hierbei einen zweiten Sänger zu vernehmen. Textlich wird hier die Vision eines nahenden Weltenendes dargelegt. Auf die Neuzeit bezogen werden hier riesige Pechwolken als Metapher von industriellem Abgas dargestellt, ebenso wie die stetig voranschreitende Vernichtung der Wälder durch Brandrodung. Der Textbaustein „Die alte Rasse frisst sich selbst“, soll sich dabei laut Narþuz auf den Menschen beziehen, der sich selbst vernichten wird.

Dem eben Gehörten folgt der „Bergemarsch“. Das Stück kann durch hervorragende Melodien und wildes Schlagwerk glänzen. Bei 2 min 30 sec erfährt das Stück eine interessante musikalische Zäsur, von der Ihr Euch am besten selbst auf dem allseits bekannten Musikportal oder bei Bandcamp ein Bild machen könnt. Zum Schluss hin steigt noch eine zweite höhere Melodiegitarre ins Geschehen mit ein. Textlich wird eine Reise von Bergwanderern besungen, die durch Kriegsschauplätze der Schlacht von Lechfeld wandern. In besagter Schlacht traten die Ungarn gegen das ostfränkische Königreich an. Allerdings wurden diese von einem plötzlichen Wintereinbruch überrascht, welcher zum Sieg der fränkischen Truppen führte. „Noch lange wird man besingen das Leiden dieser Tage. Doch im Mondschein zeigten sich noch nie gegangene Pfade.“

Der Neunminüter „In Ehrenzeiten“ ist meiner Ansicht nach der Höhepunkt dieses Albums. Das Lied wird durch eine akustische Gitarre eingeleitet. Eine irgendwie hoffnungsvoll klingende verzerrte Gitarre führt kurz darauf deutlich wilder fort. Lang gezogene Vokale beeindrucken im Gesang. Ab 6 min 50 sec erfährt das Stück eine überraschende Wendung in Tempo und Struktur, nur um eine Minute später mit der Fortsetzung des bisher Gehörten anzuknüpfen, gleichwohl diese neue Melodie kurze Zeit später noch einmal erklingt. Auffällig ist auch der gut zu vernehmende Bass. Lyrisch gesehen wird hier die Rast des Wanderers beschrieben, wie er im Augenblick der Erschöpfung demütige Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung der Natur und dem Hier und Jetzt zeigt. „Ich schließe meine Augen zu, lass das Denken endlich ruhn. Ein Feuer brennt durch die kalte Nacht, bis die Sonne mich wieder ruft zur Schlacht.“

Beschlossen wird das mit knapp 28 Minuten leider etwas kurz geratene Erstlingswerk mit dem „Heimatlied.

Es hat einen auffallend fröhlichen musikalischen Charakter und erinnert ein um’s andere Mal an „Frühling“ von Nargaroth oder an etwaige Stücke von Mavorim, nur mit etwas anderem Gesangsstil. Insgesamt bildet das Lied einen schönen Abschluss. Der Skalde kehrt hierbei zurück in sein Heimatdorf. Er singt freudig von Orten und Erinnerungen an seine Heimat, welche ihm stets im Herzen verankert bleiben. „Hoher Fels von deinen Klippen, grüß ich rings das schoene Landt [sic]. Nimmer moechte [sic] ich von hinnen, da wo meine Wiege stand.“


𝕱𝖆𝖟𝖎𝖙:

Ruthanas erfinden das musikalische Rad keineswegs neu, aber das war sicherlich auch nicht die Intention von Narþuz. Er hat seine musikalischen Vorbilder und Einflüsse und das ist auch gut so. Das Album lässt sich insgesamt wirklich gut hören und man bemerkt das darin investierte Herzblut zu jeder Sekunde. Bilder des von mir sehr geschätzten Malers Caspar David Friedrich runden das dazugehörige Beiheft noch extra ab.

Erhältlich ist das Werk als CD im Digipack in einer Kleinstauflage von 50 Stück bei „Journey To The End“ und hier im Laden, falls es nicht mittlerweile bereits vergriffen sein sollte. Was das lyrische Konzept angeht, erhielt ich in dieser Rezension etliche Anregungen von Narþuz höchstselbst. Ein Dank sei deshalb an dieser Stelle noch an ihn gerichtet. Hoffen wir in Zukunft auf weitere Taten von ihm.

𝕽𝖊𝖟𝖊𝖓𝖘𝖎𝖔𝖓: 𝕭𝖗𝖆𝖌𝖎 (𝕲𝖆𝖘𝖙𝖘𝖈𝖍𝖗𝖊𝖎𝖇𝖊𝖗) / 𝕲𝖊𝖗𝖒𝖆𝖓𝖎𝖙𝖆𝖘 𝕺𝖙𝖍𝖆𝖑𝖆 𝟐𝟎𝟐𝟒

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