Runenwacht – „Das lettzte Geleit“ – Rezension

Vor gut zwei Monaten erschien das mittlerweile 8. Album des emsigen Duos Runenwacht aus Esslingen. Es hört auf den klangvollen Namen „Das letzte Geleit“. Bereits das Frontbild, welches im Hintergrund in verschiedenen Blautönen aufwartet und in der Bildmitte eine Walküre zeigt, welche einen Kriegerhelm und ein Schwert in der linken Hand hält, weiß die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Leider ist mir der Urheber dieses Gemäldes unbekannt, aber erfreuen wir uns einfach daran, wie selbstverständlich auch an dem, was dem geneigten Hörer in akustischer Form noch bevorsteht.
Eine kurze Gitarreneinleitung läutet das Eröffnungsstück „Allvaters Pfand“ ein. Kurz darauf legt das Duo energisch und gleichzeitig melodisch los. Textlich handelt das Stück vom berühmten Leiden Wotans am Weltenbaum Yggdrasil. Im Gesamtkontext könnte man aber im weiteren Verlauf einen Bezug zur Jetztzeit herstellen: „Bestimmt wird die Zeit von neuer Grausamkeit, es beginnt der Zerfall, der Weltenbrand.“ Technisch versierte Tempowechsel nebst melodischen Gitarren zeichnen das Stück aus. Es lädt zudem zum kräftigen Mitschütteln ein und dürfte somit auch ein absoluter Bühnengarant sein.

„Klingentreue“ wird von massiven Gitarren nebst zunächst alleiniger Doublebass von Werwolf eingeleitet. Selbiger drischt anschließend wie ein Berserker auf seine Trommeln ein. Das Stück fegt zunächst im Eilzugtempo voran, nur um einige Zeit später auf die Bremse zu treten. Getragen und mit gesprochener Frauenstimme (die selbe Dame wie in der Neuaufnahme zu „Der alte Baum“) geht es weiter. Ein Gitarrensolo zum Schluss lässt seinerseits aufhorchen, bevor die Dame ein zweites Mal im Narrativ zu vernehmen ist. Textlich handelt das Stück vom einem Rachefeldzug von Kriegern, deren Häuser zerstört und Frauen geschändet wurden. „Aufgereiht die Schädel der Feinde, Gnade gibt es keine. Es brennt die alte Welt, bis sie in sich zusammenfällt. „
„Des Niedhöggers Erweckung“ ist vom Aufbau her recht ungewöhnlich, da das Stück viele instrumentale Abschnitte enthält. Das Lied beginnt schnell, alsbald ist ein Chor im Hintergrund zu vernehmen. Nach einem Knüppelinferno setzt erst nach 2 Minuten die Stimme von Rex ein. Mittleres Tempo wechselt sich mit virtuosem Geknüppel ab. In der Liedmitte ist zudem noch ein langsamer und harmonischer Gitarrenteil zu vernehmen. Lyrisch handelt es sich dem Titel gemäß um die Weltenschlange bzw. Midgardschlange, welche von unten an Yggdrasil nagt. „Zerstört gehört diese Welt, in der alles auseinander fällt. Eingeläutet wird der Untergang, der Nidhögger zieht seine Bahn.“
„Schwarz der Raben Gewand“ startet mit disharmonischen Gitarren und mittlerem Tempo und lädt zum Mitnicken ein. In der Liedmitte gibt es ein kurzes Innehalten samt Rabenkrächzen. Ein kurzer Klargesang zum Ende hin zeigt, dass Runenwacht viel Abwechslung und neue Ideen in ihre neuen Lieder gebracht haben. „Stolz am Himmel, schwarz die Schwingen. Die Raben laut am Himmel erklingen.“
Das Titelstück, zu welchem auch ein Video in Schwarz-Weiß-Optik gedreht wurde, bietet eine weitere willkommene Abwechslung mit marschierendem Rhythmus und könnte auf der Bühne gut ankommen. Der Text handelt hier von der letzten Stunde eines Kriegers, welcher im Namen Odins stritt. Man kann sich schier den Ritt des Schlachtrosses vorstellen, da hier durchweg mittleres Tempo vorherrscht. „Gebrochen, das Schwert fällt zu Boden, dem Tode nicht entronnen. Der Leib fällt hinab, hinein in ein kaltes Grab.“
Das nächste Stück „Walkürensturm“ ist von komplett anderem Kaliber. Es geht größtenteils, dem Titel gemäß, sehr flott und stürmisch voran, unterbrochen von nur einer kurzen Verschnaufpause. Rex und Werwolf leisten hier einmal mehr ganze Arbeit. „Stolz im goldenen Gewand, die Walküre, einen Speer in der Hand. Getragen von Schwingen falkengleich, bringt sie den Tod über das Menschenreich.“
Dem „Walkürensturm“ beinahe nahtlos folgt „Der Einherjer Wut. Die auch als Alleinkämpfer bezeichneten Einherjer schreiten musikalisch weitaus getragener gen Feind. Das Lied blieb aber nicht nur deshalb bei mir besonders im Kopf hängen. Denn nicht zuletzt verhelfen verhallte Gitarren dem Stück zu noch mehr Atmosphäre. Zum Schluss erklingt klarer choraler Gesang parallel zur selben Gitarrenmelodie. Das Lied weiß absolut zu begeistern. „Mit Odin voran, geht es in den Untergang. Stolz das Haupt erhoben, den Niedergang der Welt verhöhnend.“
„Grausam ist der Götter Schicksal“ beginnt rhythmisch, nur um alsbald an Fahrt aufzunehmen. Auch dieses Lied weiß durch seine Abwechslung zu begeistern. Auch hier ist, wie in Lied Nr. 4, Rabengekreisch zu vernehmen. Auch Rex‘ natürliche Stimme ist zwischendurch bei einem wiederholten Vierzeiler zu hören. „Vorherbestimmt ist das Eine. Das Ende kommt von allein. Der Götter ist dies Schicksal gewiss. Sie kämpften, bis auch ihr Lebensfaden riss.“
Etwas aus der Reihe fällt das vorletzte Stück „Der Bastard verreckt“, da es musikalisch eher simpel und direkt gehalten ist. Diese Spielart passt allerdings hervorragend zum ebenfalls sehr direkten Text, welcher eine eindeutige Ansage an einen gewissen Zimmerman aus Nazareth darstellt. „Sein Körper verrottet und fickt den Hurensohn. Angst erfüllt seine Augen. Doch reicht uns das schon? NEIN!“ Direkter haben es seinerzeit höchstens Satans Elite Kommando oder Camulos formuliert.
Majestätisch und würdevoll wird das neue Album mit „Begrabt mich in württembergisch Land“ beschlossen. Hymnisch, melancholisch, erhaben und voller Liebe zur Heimat von Runenwacht beeindruckt auch so manchen Nichtschwaben, welcher sich anderswo zu Hause fühlt. Die begleitende Tremolomelodie setzt sich im Kopf fest und lässt den Hörer schwelgen. Der Refrain beeindruckt zudem mit gedoppeltem Gesang. Man hört hier wirklich zu jeder Sekunde das Herzblut heraus, welches in das Lied geflossen ist. „Ich ward gebor’n im Schwabenland, unbeugsam bis zur letzten Stund. In Württemberg wuchs ich auf, blickte zu den Ahnen hinauf.“ „Begrabt mich in württembergisch Land. Begrabt mich mit der Fahne in der Hand.“
𝕱𝖆𝖟𝖎𝖙:
Das neue und mittlerweile bereits 8. Album der württembergischen Recken ist meiner Meinung nach wirklich der bisherige Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens. Die Produktion ist absolut druckvoll und die Instrumentierung absolut kompetent. Das Album im Allgemeinen und die Lieder im Besonderen sind sehr abwechslungsreich. Sie sind außerdem mit einigen neuen Elementen versehen, wie z. B. vereinzelte Gitarrensoli oder partiellem Klargesang. Ich bin wirklich begeistert und kann das Album nur Jedem empfehlen, der es nicht sowieso schon besitzt. Erschienen wie gewohnt bei Northern Fog, existiert neben dem CD-Format noch eine Version als Kassette. Auf Vinyl darf gerne gehofft werden.
𝕽𝖊𝖟𝖊𝖓𝖘𝖎𝖔𝖓: 𝕭𝖗𝖆𝖌𝖎 – 𝕲𝖊𝖗𝖒𝖆𝖓𝖎𝖙𝖆𝖘 𝕺𝖙𝖍𝖆𝖑𝖆 𝟐𝟎𝟐𝟓
