Germanitas Othala
Nebelgrund – „In kalten Nächten“ / „De verloren Leeder“ – Rezension

Das im Jahre 2013 in Mittelfranken von Alleinherrscher Nebelgeist gegründete Schwarzmetallprojekt konnte bisher schon auf eine stolze Zahl von 5 Vollalben zurückblicken. Dazu darf auch noch ein Demo und eine Gemeinschaftsproduktion gezählt werden. Jedoch feilte der nimmermüde Herr Nebelgeist in den letzten Monaten bereits an einem neuen Vollalbum, welches als Nachfolger zum 2023 erschienenen „An den Toren von Krieg und Tod“ steht. Das sechste Werk hört auf den klangvollen Namen „In kalten Nächten“ und erschien am 21.12. letzten Jahres zusammen mit der EP „De verloren Leeder“ nun als Doppel-CD über Germanitas Othala Klangschmiede. –> Hier zu erwerben

„Der Skald (Intro) „ fungiert, die Klammerbemerkung nomen est omen, als akustische Einleitung mit folkloristisch anmutender Melodie und Tasten im Hintergrund. Kurz danach setzen elektrische Gitarren mit rauem Klang ein. Und schon sind wir beim Titelstück „In kalten Nächten“. Dieses beginnt ruhig mit akustischer Gitarre und Tastenbegleitung, nur um kurz darauf an Fahrt aufzunehmen, wenngleich diese nicht sonderlich schnell vonstatten geht. Der Gesang ist relativ gut verständlich. Akustische Gitarren begleiten in der Liedmitte den einsetzenden Klargesang. „All meine Worte, sie sind da, alles ist wahr“. Das Stück verstummt mit ausklingenden Akustikgitarren.

„Geisterwald“ startet wesentlich schneller und beginnt mit Wolfsgeheul. Im Refrain agiert Nebelgeist getragener, und er beschwört eine unheimliche Stimmung herauf. Gewisse atmosphärische Parallelen zu Lunar Aurora sind hier nicht von der Hand zu weisen. Es mag ein Zufall sein, dass auf deren finalem Album „Hoagascht“ ein Lied namens „Geisterwoid“ (hier im oberbayerischen Dialekt vorgetragen) zu finden ist.

Das nächste Stück „Packeis“ zeigt sich rau mit dem charakteristischen Keifen von Nebelgeist. „Ein Seemannsgrab im ewigen Eis“. Mehr muss man dazu nicht sagen. Der hier zu vernehmende Klargesang kommt als Begleitung zum Keifen eher rezitierend daher.

„Im Nebelgrund“ erklingt schnell und dennoch atmosphärisch und wartet teilweise wieder mit begleitendem Klargesang, sowie mit gutem Wechsel der Tempi und gutem Tremolo auf. „Verloren ist die Welt, ein grausam Antlitz‘ trostlos Tanz. Das Stück verhallt zum Ende hin, was fast schon als Markenzeichen angesehen werden kann.

Nebelgrund – Doppel CD

Im Anschluss prasselt Regen hernieder, Tasten erklingen und Trommeln begleiten das akustische Szenario rhythmisch. Dieses Stück ist ein rein unbetiteltes Instrumental, welches zum Entspannen einlädt.

Dem „Schandgesell“ wird eine längere Einleitung zuteil, welche, wie so oft bei Nebelgrund, atmosphärisch mit Tastenbegleitung vonstatten geht. Das charakteristische Krächzen un teilweise Rufen von Nebelgeist ist auch hier wieder prägend. „Ich habe nichts für euch übrig“. Dieses Lied verklingt recht schnell und geht beinahe über in das nächste Stück „Eine Kerze im Moor“. Dieses mittelschnelle Lied erinnert musikalisch aufgrund mancher repetitiver Stellen des öfteren an Burzum. Es ist melodisch und von der Melancholie her genau dem Titel angemessen. „Nur für dich brennt eine Kerze im Moor“. Dieses Lied ist definitiv ein Höhepunkt des Albums.

„König in Ketten“ ähnelt dem gerade Gehörten vom Tempo her und weist zudem majestätischen Klargesang auf. Der Refrain selbst ist der Höhepunkt des Stücks und verlangt nach wiederholtem Hören, ausgezeichnet gemacht, Herr Nebelgeist.

Hier nun erfolgt ein direkter Übergang zu „Den Runen folgend“. Auch dieses Lied hat eine Atmosphäre, die vollkommen charakteristisch für Nebelgrund ist und vereint alle Stärken des Projekts. Auch hier sind wieder klangliche Referenzen zu Burzum unüberhörbar, vor allem was das Zusammenspiel von Gitarren und Tasten anbelangt.

Das Schlussstück des Vollalbums hört auf den Namen „Gute Reise (Outro)“ und erklingt nochmals im rauen Grundtenor und mit mittlerem bis getragenem Tempo. Der Ausklang ist elektronisch mit Tastenbegleitung und endet abrupt.


Fazit:

„In kalten Nächten“ steht in seiner musikalischen Intensität „An den Toren von Krieg und Tod“ in nichts nach, obgleich die Lyrik etwas anders geartet ist und weg vom Kriegsthema führt.

Als weitere Dreingabe veröffentlichten Nebelgrund die EP „De verloren Leeder“ als zweite CD. Wie „In kalten Nächten“ erschien auch dieses Werk zunächst als streng limitierte Kassette. Seitdem verging zwar einige Zeit, aber weitere Verbreitung ist nun gewiss.

Das erste Stück „Düüster Nevel“ fungiert als kurze Einleitung mit Regenprasseln und Akustikgitarre. Kurz darauf geht es mit „Wacht an de Waterkant“ rau und gleichzeitig melodisch zu. Der Text ist hier, wie auch auf den beiden folgenden Liedern komplett auf plattdeutsch verfasst, womit Nebelgeist ein relatives Alleinstellungsmerkmal aufweist. Allenfalls Friisk fallen mir in dieser Richtung noch ein. Das Lied klingt atmosphärisch und mit klarem Gesang aus.

„Dat Biekenbrennen“ ist wesentlich schneller mit melodischen Abschnitten. Textlich dürfte es, zumindest für mich als Dialektunkundigen um ein traditionelles Volksfest in Nordfriesland gehen, welches im Groben an das Feuer zu Ostara angelehnt ist.

„Der Alte auf dem Weg nach Walhall“ ist das melodischste Stück dieses Kurzalbums, welches viel Klargesang enthält und mit dem charakteristischen Rabenkrächzen endet.

Alles in allem bleibt zu konstatieren, dass Herr Nebelgeist dem geneigten Hörer zwei wirklich starke Tonträger bietet, die wieder und wieder gehört werden wollen. Kaufen, Leute!

Erhältlich ist das Album und die EP (In kalten Nächten/ De verloren Leeder), wie eingangs bereits erwähnt, als Doppel-CD über Germanitas Othala Klangschmiede.

Rezension: Bragi (Gastschreiber) – Germanitas Othala 2026

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