Nebelgrund – „Im Feuerschein“ – Rezension

Das 6. Vollwerk „In kalten Nächten“ liegt noch gar nicht lange zurück (erschien im Dezember letzten Jahres zusammen mit der EP „De verloren Leeder“), schon schickt sich Nebelgeist an, dem geneigten Hörer neues Ohrenfutter zu kredenzen. Das neue Werk hört auf den Namen „Im Feuerschein“ und weckte sofort meine Neugier ob der Liedtitel. Aber eines nach dem anderen.
Schleppend kommt das Intro „Es wird sein die Götterdämmerung“ daher. Melodisch und stimmungsvoll mit Tastenklängen unterlegt hört man im weiteren Verlauf ein einprägsames Tremolo. Dieses Instrumental wirkt majestätisch und erhaben und versetzt sogleich in die richtige Stimmung.
Das darauf folgende Stück „Ginnungagap – Ort des Schicksals“ bietet rein lyrisch die Beschreibung des Urzustands der Welten in Form des Abgrunds Ginnungagap, der Erschaffung des Lebens sowie der Weltenesche Yggdrasil. Das Lied beginnt langsam, nimmt aber alsbald an Fahrt auf. In der Liedmitte ist auch erstmals Nebelgeists Klargesang zu vernehmen. „Ginnungagap, Wiege des Lebens und des Todes. Eine neue Welt aus Ymirs Leib, das Blut des Lebens.“ Tastenklänge im Hintergrund runden das Stück ab.
Atmosphärisch im Beginn zeigt sich „Mjöllnir – der Zwergen Kleinod“. Die Gitarren sind repetitiv im positiven Sinne. Das Lied wechselt zwischen wohl dosierter Aggression und ruhigen Teilen hin und her. In der zweiten Hälfte überrascht uns Nebelgeist mit kurzem Falsettgesang. Der gute Klargesang zum Schluss erinnert an die selige Thüringer Legende Menhir. „Teuerste Erze und edel Geschmeide, Schmieden heiß wie Sternenfeuer. „ Ich bin begeistert.

Das Titelstück „Im Feuerschein – Verse aus der Völuspa“ hat mit Steineiche erstmals eine musikalische Gastbeteiligung. Das majestätische Liedgut beginnt mit Akustikgitarre und Nyckelharpa von Steineiche. Dieser setzt in der Liedmitte auch eine Handtrommel ein. Das Stück ist durchweg schleppend und mit vielen verschiedenen Klängen durchsetzt. Vor allem die Tasten sind hierbei sehr präsent. „Neun Welten kenn ich, neun Äste weiß ich. An dem starken Stamm im Staub der Erde.“ „Sagen, welche nie vergessen dürfen sein! Wurzeln unsrer Ahnen, unsres Seins!“
„Balders Traum vom Tod“ ist das aggressivste Stück des Albums. Das Tempo ist hier größtenteils hoch bis sehr hoch, teils wird heftig geblastet. „Die Sonn‘ vom Schwarz verschlungen, ich träumt vom Tod. Mein Tod das Ende bringt, der Frieden hinfort!“ Der Klargesang im Kehrreim ist abermals beeindruckend. Dies ist ein weiteres starkes Lied mit abruptem Ende („Der Untergang ist nah“). Der Text handelt vom Unruhestifter Loki und vom Tod Balders, verursacht durch dessen blinden Bruder Hödur, aber geplant wiederum von Loki selbst.
„Blutig Schnee – Fimbulwinter beginn“ ist zum Großteil instrumental gehalten und fungiert als relativ kurze Einleitung zum nächsten Lied. Das Stück zeichnet sich durch ein gutes Tremolo und Tastenuntermalung aus. Am Schluss ist Steineiche an der Stimme zu vernehmen. „Und so begann das Leben zu erfrieren, das Blut zu kochen und der Tod zu siegen.“
Ein musikalischer Übergang erfolgt zu „Es ward Fimbulwinter“. Dies kommt meist mittelschnell daher und zeichnet sich erneut durch viel Klargesang aus. In der Liedmitte wird das Stück durch akustische Gitarre und Maultrommel bereichert. Auch hier ist Steineiche wieder beteiligt. „Die Welten fallen nach und nach. Die Götterdämmerung sie naht. Alle Ordnungsbande bricht, alle Tugend, alle Treue, weggewischt!“ In diesem Lied kann sich der Hörer verlieren und fallen lassen.
Die Einleitung zum vorletzten Stück „Der letzte Ritt“ mit Hufgetrappel und Pferdewiehern erinnert an das Intro des Bathory-Albums „Blood Fire Death“. Auch hier geht es zum Großteil im mittleren Marschtempo mit erneut viel Klargesang und Tasten zu Werke. Dieses Stück wächst mit jedem Hördurchlauf. „Für Tod und Glorie! Nach Asgard wir reiten! Ragnarök ist nah, auf ihr Hunde in die Schlacht!“ „Mein letzter Ritt nach Asgard ist.“
Das finale Stück hört auf den Namen „Gestern, heute und morgen“ und überrascht mit Narration am Anfang. Die Instrumente haben hier einen großen Anteil. Abwechslung ist hier, wie generell auf dem gesamten Album Trumpf. Neben kurzem Gekrächze ist zum Ende hin wieder klarer Gesang zu vernehmen. „Als die Lohe erlosch, ergoss sich das kochende Meer über die Felder der Verwüstung. Doch nicht alles Leben war erloschen [..].“ Das Lied klingt mit Vogelgezwitscher aus und hinterlässt abermals einen sehr guten Eindruck.
Fazit:
Nebelgeist trug sich schon länger mit dem Gedanken, ein Album mit gezieltem Bezug auf die nordische Mythologie in die Tat umzusetzen. Dafür machte er sich diverse Spielarten im Metalbereich zu eigen, so dass dieses Werk in keine bestimmte Schublade passt. Entsprechend abwechslungsreich und vielfältig ist „Im Feuerschein“ geworden. Das Werk zollt vor allem den musikalischen Vorbildern Bathory Tribut. Man spürt, dass in dieses Album viel musikalisches Herzblut geflossen ist. Ich spreche eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aus. Erhältlich ist das Ganze ab dem 21.6., also in zeitlich greifbarer Nähe, erneut über die Germanitas Othala Klangschmiede.
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Rezension: Bragi (Gastschreiber/redaktionell unabhängig) Germanitas Othala 2026
Hörprobe:
