Germanitas Othala
Mavorim – „Non Omnis Moriar“ – Rezension

Mavorim veröffentlichen in wenigen Tagen (12.12.2021) über Purity Through Fire„, ihr zehntes Werk und damit, ihr drittes Vollalbum. Dieses wird den Titel „Non Omnis Moriar“ tragen, was soviel wie „Ich werde nicht sterben“, bedeutet – oder auch als „nicht alles stirbt“ übersetzt werden kann. Ich beschäftige mich heute ausschließlich mit dem musikalischen Teil, dieser Veröffentlichung, da dies eine Vorabrezension sein wird und ich weder Dinge vorweg nehmen möchte, noch einen optischen Einblick in das fertige Exemplar habe, mir somit lediglich das Tonmaterial vorliegt. Nun denn, was musikalisch geboten wird, klären wir also in den folgenden Zeilen.


Bereits bei den ersten Vorstellungen des neuen Albums, gab es reichlich Gerede, welches von überzeugt positiv, bis hin zu ungeahnt negativ reichte. Auch ich hörte mir die Vorabversionen an und konnte daran nichts schlechtes finden, ganz im Gegenteil, ich verstand nicht, weshalb so viel Negatives darüber verloren wurde.

Aber, eins nach dem Anderen. „Non Omnis Moriar“ ist, wie erwähnt das dritte Vollwerk der (mittlerweile) bayerischen Tonschmiede. Mir werden insgesamt zehn Titel geboten, bei denen es jeweils einen Pro- und einen Epilog gibt (zu Deutsch Ein- und Ausklang). Mit einer satten Spielzeit von etwa 47 Minuten und 30 Sekunden, wird auch längentechnisch einiges geboten.


Lense Of Sense (Bild)

𝕯𝖊𝖗 𝕻𝖗𝖔𝖑𝖔𝖌 ist kurz, melodisch und erinnert ein wenig an das gewählte Konzept von Eisenkult, allerdings nur für den Moment. Jedenfalls, liebliche und doch düstere Klangkonstrukte, die eine hervorragende Einleitung bieten.

„𝖀𝖓𝖊𝖓𝖉𝖑𝖎𝖈𝖍 𝖎𝖘𝖙 𝕴𝖍𝖗 𝕶𝖗𝖎𝖊𝖌“, beendet die liebliche Musik des Vorgängertitels und geht mit treibendem Midtempo alsbald in den Angriff über. Hier hört man schon, dass spätestens, seit der Split mit Ad Mortem ein Stilbruch erkennbar ist. Mavorim wird deutlich melodischer, spielerischer und vor allem technischer.
Gerade das Schlagwerk ist äußerst komplex und wirkt für so manchen sicher etwas hektisch oder gar ungeordnet. Bei genauerem Hinhören, stellt man allerdings fest, dass diese „Hektik“ sehr wohl gewollt ist, um eine gewisse Stresssituation zu vertonen, was auch wirklich gelingt, ohne dabei wie ein Tölpel zu klingen.

Der Titel „𝕰𝖎𝖘𝖊𝖓𝖆𝖉𝖑𝖊𝖗“, ist genau so ein Stück, welches ich seit „Iudicium Ultimum“ so sehr schätze. Manche halten dies für eine Verweichlichung, eben diesen erwähnten Stilbruch, ich habe eher das Gefühl, dass genau das der Stil ist, den Mavorim erreichen wollten. Quasi ein Reifeprozess, der musikalisch allmählich seinen Höhepunkt erreicht. Zugegeben, der grimmige Schwarzmetallanteil weicht nunmehr den spielerischen Finessen und den immer feineren Tönen. Mavorim sind vom „klingt ja wie Absurd“, zum melodischen Schwarzmetall herangereift. Und, neben mir wird es hierbei sicher einige geben, die diesen Stil durchaus zu schätzen wissen. Die Texte, das sei mit erwähnt, sind selbstredend auf deutsch und bei aufmerksamen Hören, durchaus verständlich. Die Stimme ist kräftig, hasserfüllt und steht den vorangegangenen Werken in nichts nach. Der Klargesang, der zieht mich unvermindert in seinen Bann und wenn ich was zu sagen hätte, dann könnte Der noch viel öfter zum Tragen kommen.

„𝕾𝖔 𝖍𝖊𝖑𝖑 𝖜𝖎𝖊 𝖊𝖎𝖓 𝕾𝖙𝖊𝖗𝖓“ ist der nächste Titel und damit der vierte im Bunde. Hier geht es, zumindest zu Beginn, deutlich schwarzmetall-lastiger zu, das Tempo wurde deutlich erhöht und kommt immer nur stellenweise im mittleren Tempo etwas zur „Ruhe“. Melodik ist auch hier geboten, die Riffs ebenso facettenreich und die erzeugte Stimmung kalt und düster. Hier könnte man eher wieder von einem „klassischen“ Mavorimstück sprechen. Aber, auch hier, hört man, dass sich Baptist und Valfor, nicht mehr mit einfachen Liedstrukturen zufrieden geben. Die Stücke weißen eine klar definierte strukturelle Komponente auf, hier wurde komponiert, nicht musiziert.

Mavorim verstehen es, auch in den darauffolgenden Stücken „𝕰𝖑𝖋𝖊𝖓𝖇𝖑𝖚𝖙“ und „𝕰𝖓𝖌𝖊𝖑, 𝖎𝖈𝖍 𝖐𝖔𝖒𝖒𝖊 𝖟𝖚𝖗𝖚̈𝖈𝖐“ Melodie und Finsternis zu kombinieren, stellenweise (sicher etwas weiter entfernt) könnte man hier Parallelen zu Eisregenwerken ziehen, allerdings mit deutlich mehr Schwarzmetall-Anteil. Die Texte sind ähnlich veranlagt, allerdings ohne direkten Splatterbezug, vielmehr blasphemisch, allerdings findet sich auch hier ab und an, die gleiche Inbrunst wieder. Und, das rollende „R“, dass hier zum Glück, keine Verwendung findet.

„Non Omnis Moriar“ ist ein mahnendes, anklagendes Werk, dass neben Blasphemie auch kein gutes Haar an den Menschen lässt. Abscheu, Verachtung und mit recht auch etwas Verbitterung, ist hier vornehmlich aus den Texten heraus zu lesen und hören. Apropos Texte, hinzu kommt, dass die lyrischen Ergüsse. neben der Musik, ebenso deutlich gereift sind. Es wird sich etwas poetischer ausgedrückt, Handlungen mehr ausgeschmückt und musikalisch entsprechend hervorgehoben.

„𝕴𝖒 𝕶𝖆𝖒𝖕𝖋“ ist eines dieser Lieder, welches vorab schon auf dem ein oder anderen Kanal zu hören war. Interessant ist, dass genau dieses Stück mehr Anlehnungen an „Paganmetal“ aufweist, als das bei anderen Titeln der Fall ist. Hier könnte es sich ebenso um ein neues Lied von „Helritt“ handeln, die es übrigens ebenso hervorragend verstanden, verschiedene Stile zu verbinden. Trotz des außergewöhnlichen Klanges, dieses Tonstücks, passt es schlussendlich doch hervorragend in das gewählte Grundkonzept von „Non Omnis Moriar“, für mich jedenfalls ein starkes Lied, obgleich oder vielleicht gerade deswegen.

„𝕴𝖈𝖍 𝖐𝖑𝖆𝖌𝖊 𝕰𝖚𝖈𝖍 𝖆𝖓“ und „𝕰𝖕𝖎𝖑𝖔𝖌“ bilden gemeinsam den Abschluss. Insbesondere „Ich klage Euch an“ ist ein besonders treibender Titel, er wirkt mächtig, vor allem durch das gewählte Tempo und die dumpfen Gitarrenklänge. Die Anklage kommt indes musikalisch, als auch lyrisch hervorragend zur Geltung und bietet einen gelungenen Ausstieg, der durch den Epilog (also den Ausklang), mit ähnlichen Klängen des Prologes zum Abschluss gebracht wird. Im Nachhinein wirkt es, als hätte man ein Buch gelesen, ein 47 minütiges Buch.


𝕱𝖆𝖟𝖎𝖙:

Wie ich es bereits ein paar mal, während der Rezension anzuschneiden versuchte, ist „Non Omnis Moriar“ ein Konzeptalbum, dass durchstrukturiert und musikalisch derart stimmig produziert wurde, dass so mancher an seine Grenzen stoßen könnte. Für den ein oder anderen Hörer, könnte das schon wieder zu „sauber“ sein, zu wenig Schwarzmetall. Mir jedoch, und genau darum geht es aktuell, sagt dieses Werk von der ersten bis zur letzten Sekunde zu. Es gibt selten Alben, die man wirklich von Anfang bis Ende hört, ohne dabei einen Titel überspringen zu wollen, dies hier, ist so eines – zumindest aus meiner Sicht.
Hier werden sich die Geister scheiden – für den Einen ist es überbewertet, für den Anderen zu sauber – den Dritten allerdings, den spricht es an. Ich bin dann wohl der Dritte. Ist das also eine Empfehlung? Ja, es ist eine – allerdings sollten Personen, die sich hier eine Rückkehr zu „Silent Leges Inter Arma“ erhofft haben, vielleicht zuerst ein paar mal reinhören.

Ist es anders? Ja es ist anders, knüpft aber da an, wo Mavorim, bei „Iudicium Ultimum“ aufgehört hatten und nun nahtlos und angetrieben weiter machen – was ich im übrigen sehr begrüße!


𝕸𝖚𝖘𝖎𝖐𝖆𝖑𝖎𝖘𝖈𝖍𝖊𝖗 𝕰𝖎𝖓𝖑𝖎𝖈𝖐:


𝕽𝖊𝖟𝖊𝖓𝖘𝖎𝖔𝖓: 𝕿𝖔𝖉𝖋𝖊𝖎𝖓𝖉 / 𝕲.𝕺.𝕾.𝕭. 𝟐𝟎𝟐𝟏

Entdecke mehr von Germanitas Othala

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen