Granitader – „Schlachtenklang“ – Rezension

Gegründet 2021, legt sich das Quintett namens Granitader aus dem schönen Annaberg-Buchholz im Erzgebirge musikalisch mächtig ins Zeug. Im Jahre 2023 erschien als erster Vorgeschmack auf das, was da noch kommen sollte, zunächst die EP „Verfaulte Welt“ über Black Blood Records. Der 3 Lieder und knapp 10 Minuten lange bzw. kurze Tonträger ließ mit seiner Mischung aus schweren Gitarren und leicht depressiver Atmosphäre bereits aufhorchen.
Als musikalischer Quantensprung erwies sich dann das erste über Purity Through Fire erschienene Vollalbum „Der Wald zwischen den Welten“. Die Stücke waren insgesamt schneller, weitaus abwechslungsreicher und musikalisch versiert. Speziell das Lied „Heimat“ wurde mittels selbst produziertem Musikvideo zudem optisch adäquat umgesetzt. Dies nur als kleiner Abriss des bisherigen Werdegangs dieser hoffnungsvollen Truppe.
Ein Jahr und einige Bühnenauftritte später (unter anderem beim letztjährigen Schwarzmetall über’m Miriquidi) geht es Schlag auf Schlag Die brandneue EP, welche auf den Namen „Schlachtenklang“ hört, steht in den Startlöchern.
Das Eröffnungsstück „Durch die Felder“ dürfte den meisten bereits bekannt sein, da es im Netz vorab als Hörprobe zur Verfügung steht. Waren die Stücke auf „Der Wald zwischen den Welten“ noch überwiegend rein schwarzmetallisch, so überrascht dieses Stück mit seinem folkloristischen Charakter, welcher sich durch Flötenklänge zu Beginn auszeichnet. Alsbald übernimmt die Gitarre die Melodieführung und die bereits durch die vorangegangenen Veröffentlichungen vertraute Schreistimme setzt ein. Nach kurzer Zeit wechselt der Sänger die Stimmlage und präsentiert dem erstaunten Hörer ein eher todesmetallisches Röcheln, welches sich sehr gut ins gesamte Klangbild einfügt. Der Klargesang des Gitarristen im Hintergrund rundet das Gesamtbild der musikalischen Weiterentwicklung sehr gut ab. Verschnaufpausen gibt es hier nur wenige. Diese werden allerdings dadurch umso akzentuierter gesetzt.
Der dem Lied zugrunde liegende Text entstammt dem „Morgenlied der schwarzen Freischar“ von Gustav Adolf Salchow aus dem Jahre 1813. „Wir fahren durch die Felder, durch Heide, Moor und Wälder, durch Wiese, Trift und Au, soweit der Himmel blau. „ Gespannt wartet man auf das, was da noch kommen mag.
Lied Nr. 2 „In die Schlacht“ startet mit sakralen Orgelklängen, welche zu Beginn die Saitenfraktion unterstützen. Kurz darauf setzt der Schreigesang ein und das Stück nimmt galoppierend an Fahrt auf. Die einen beeindruckenden Text darbietende Stimme des Sängers wird perfekt durch den Klargesang des Gitarristen ergänzt. Letzteren konnte man erstmals auf dem Stück „Totengesang“ hören, welches im Jahre 2024 exklusiv für die Liedkollektion „Skaldensang II“ von Germanitas Othala aufgenommen wurde. Ein synthetischer Chor untermalt im Hintergrund den beeindruckend dargebotenen Refrain des zweiten Sängers. Melancholische Saitenklänge und ein gutes Gitarrensolo gegen Ende hin, runden das gesamte Klangbild ab. Der Hauptsänger wechselt auch hier wieder zwischen der schwarzen und der todesmetallischen Tonlage, ähnlich wie es der letztes Jahr auf dem Debütalbum beim Lied „Varus“ als Gast fungierende Baptist von Mavorim insbesondere bei seinen Projekten Eisenkult und Atronos zu tun pflegt. Der Klargesang klingt am Schluss nochmals auf, wirkt aber dieses Mal eine Spur rauer, irgendwie kehliger. Der Text wurde dem „Bundeslied vor der Schlacht“ von Theodor Körner entnommen und stammt ebenfalls aus dem Jahre 1813, aus der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte. „Hinter uns im Graun der Nächte, liegt die Schande, liegt die Schmach. Liegt der Frevel fremder Knechte, der die deutsche Eiche brach. Unsre Sprache ward geschändet, unsre Tempel stürzen ein, unsre Erde ist verpfändet, Brüder löst sie ein! „

Das dritte und bereits letzte Stück „Wie Brüder“ startet sehr sphärisch mit ruhigen Tasten- und Flötenklängen und einer mandolinenartig gespielten unverzerrten Gitarre. Kurz darauf haut das Lied mit voller Wucht in die Gehörgänge. Geschrei wechselt sich ab mit dem Klargesang des Gitarristen. Der Text ist diesmal vom Sänger selbst verfasst worden und mahnt zur Einigkeit mittels Redens miteinander, anstatt sich gegenseitig sinnloserweise zu bekriegen oder zu denunzieren. Dieser Appell geschieht im Kleinen, z. B. Freundeskreis oder dem Kreise des Schwarzmetalls, sowie im Großen, z. B. bei einer Nation mit Menschen gleichen Ursprungs und gleichen Wurzeln, welche besser miteinander reden sollten, anstatt sich gegenseitig zu hassen und zu bekriegen. Die raue Stimme des Hauptsängers wird im zweiten Teil des Liedes voller Inbrunst heraus geschrien. Ein kurzer synthetischer Chor untermalt das Ganze zum Ende hin. Der Schluss von „Wie Brüder“ kommt dann ziemlich abrupt. „Brüder, noch hält es stand, euer Lebensband. „ „[…] auf dass kein Bruder gegen Bruder ficht. „
𝕱𝖆𝖟𝖎𝖙:
Die 15minütige EP beeindruckt durch Abwechslungsreichtum und Selbstbewusstsein seitens der Musiker. Der Promotext zieht musikalische Vergleiche zu Größen wie Windir, Falkenbach oder Horn, was meiner Meinung nach aber nur bedingt zutrifft. Granitader haben vielmehr ihren eigenen Stil gefunden und Ihrerseits weiterentwickelt und dieser weiß zu begeistern.
Aufgenommen wurden die Lieder beim Gitarristen daheim, von Sommer bis Herbst 2024. Mix und Master erfolgten durch Robert Weiß und die Gestaltung des Frontbildes oblag Northem Hordes. Das Ganze erscheint am 4. April sowohl digital, als auch als auf 300 Stück limitierte Digipack-CD bei Purity Through Fire.
