Granitader – „Der Wald zwischen den Welten“ – Rezension

Granitader – mittlerweile keine allzu unbekannte Kapelle mehr, dennoch frisch, mit neuen Klängen und Ideen bewaffnet. Im Februar erscheint nun das erste Vollalbum der Erzebirger mit dem Namen „Der Wald zwischen den Welten“ bei Purity Through Fire, vorerst als CD Version – ob da noch andere Fassungen in Planung sind, entzieht sich meiner Kenntnis.
Mir wurde das Privileg zuteil, vor offizieller Veröffentlichung ein Ohr zu riskieren und meinen Senf dazu zu geben. Granitader liefern gleich 10 Titel, wobei davon jeweils zwei als Ein- bzw. Ausklang dienen. Mir liegen die derzeitigen Musikstücke lediglich digital vor, ergo kann ich über die endgültige Tonqualität nur spekulieren. Allerdings sollte sich hieran nicht mehr groß etwas ändern. Thematisch ist hier durchaus ein Konzept zu erahnen - eine Mischung aus Heimatbezug, Mythologie, Historie und Natur. Für mich durchaus stimmig. Der Einklang könnte auch von einer Folkkapelle stammen, zumindest sind einige Elemente und Instrumente auch in Paganprojekten anzutreffen.
Optisch kommen einige Fotografien zum Einsatz, die regional geschossen wurden. Es wird also ein Beiheft geben, ob Texte dabei sein werden, ließ sich so allerdings nicht zweifelsfrei sagen.
Ødensjakt, der erste (richtige) Titel (zu deutsch Odins Jagd oder die wilde Jagd) ist ein flinkes und doch rhythmisches Stück. So wird stellenweise ordentlich aufs Gas getreten um in bestimmten Bereichen dann gezieltes Midtempo einzuschlagen. Die Riffs sind hierbei zu jeder Zeit abwechslungsreich und ein wenig verspielt. Die Atmosphäre ist gezielt mystisch mythologisch gehalten, ja sogar etwas Text ist durchaus zu verstehen – ob letztlich Lyrik abgedruckt werden wird, bleibt abzuwarten – wäre aber in jedem Fall nützlich und aufschlussreich.
Auch im darauffolgenden Titel wird viel Wert auf Stimmung gelegt. Man könnte meinen es sei ein typisches Klanggewand, da es ja nun irgendwie „Atmospheric Black Metal“ ist. Wer mich kennt, weiß dass ich gern Vergleiche anbringe und auch hier ist wirklich eine Ähnlichkeit zu erkennen. Libertatis Amore, ebenfalls eine deutschsprachige BM-Truppe, deren Klang doch Parallelen zu Granitader aufweißt oder umgekehrt. Besonders hervor sticht das zur Ruhe einladende „Geklimper“ seien es Klavierklänge oder einfach Hintergrundmelodien, die durchaus zum Hörverweilen einladen.

Egal wie schnell und harsch ein Stück beginnt, man kehrt bei Granitader stets zum Erfolgsmodell „Atmosphäre“ zurück. Das gefällt mir persönlich sehr, da eine gelungener Wechsel zwischen Schnelligkeit und Melodie erzeugt wird. Nebenher zeigt es auch, welch instrumentalisches Talent die Protagonisten hinter Granitader besitzen. Nathan, ist zum Beispiel ein solcher Titel. Zwischenzeitlich kommen sogar wirklich schnelle Abschnitte zustande, die aber meist nur von kurzer Dauer sind. Wer hier also durchziehendes Gerhämmer erwartet, ist gänzlich an der falschen Adresse - Glück für mich. Lediglich der Abgang des Stückes kam etwas zu „abrupt“.
Mit dem Alter wird man bekanntlich ruhiger, insofern spielt sich Granitader just in diesem Moment in meinen Gehörgang und verweilt dort. Einziges Manko dürfte hier sein, dass ich recht wenig vom lyrischen Inhalt mitbekomme, was mit lesbaren Texten etwas vereinfacht werden könnte. Der Gesang ist doch deutlich im hörbaren Nachteil. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, da die Musik ja das Aushängeschild ist, dennoch geht so eventuell einiges an zu gebrauchendem Inhalt verloren, der zur Verdichtung des Konzeptes beitragen könnte und würde. Richtig gut wäre es jetzt, wenn noch die wenigen Klargesangseinlagen etwas mehr im Vordergrund stünden.
Varus, ein Titel der mit Mavorims Sänger zusammen eingearbeitet wurde, fällt schon besonders ins Gehör.
Die Taglharpa zu Beginn, die Stammesklänge und das kriegerische Tongewand machen deutlich oder zumindest wird es hörbar anschaulich vermittelt, auf was sich die Römer hier vorbereiten mussten.
Hier ist übrigens der Gesang deutlich besser verständlich, jedenfalls an den meisten Stellen. Baptists Stimme setzt dem ganzen dann eine Gänsehautkrone auf.
Das Titelgebende Stück „Der Wald zwischen den Welten“ bietet noch einmal einen ruhigen Einstieg, der sich dann in einen melodischen Übergang wandelt. Das vorhandene musikalische Konzept wird auch in diesem Lied bestens weitergeführt und umgesetzt. Auch die klaren Stimmen, ob erzählerisch oder gesanglich, unterstreichen wirklich gekonnt das angestrebte Bild.
Der Ausstieg (Outro) ist wieder rein instrumental gehalten, was dazu beiträgt, das gesamte Album gedanklich noch einmal zu durchlaufen - und zack, noch einmal von vorne.
𝕱𝖆𝖟𝖎𝖙:
Ich habe jetzt keine explizite Zeitangabe, mit den zehn gebotenen Stücken ist man aber bisweilen ein bisschen beschäftigt. Zumal ein Wiederholen der einzelnen Stücke immer erneute Klänge hervorbringt und das Werk trotz mehrmaligem Hören nicht langweilig wird. Ganz im Gegenteil, die verschiedensten Facetten und Kleinigkeiten entdeckt man wohl wirklich erst bei genauerem Hinhören. Abwechslungsreichtum, versierte Musiker, eine herrlich tiefgehende Klangstimmung. Kurz gesagt Atmosphäre, durch und durch. Für den ein oder anderen könnte es zu „sauber“ klingen, denn von rotzigem Black Metal fehlt hier jede Spur. ich habe eigentlich nur zwei kleine Dinge zu beanstanden. Zum einen ist der Gesang manchmal etwas zu unverständlich im Hintergrund und zum anderen, könnten die Stücke, vor allem die Enden selbiger etwas ausgebauter sein - so wirkt gelegentlich das Liedende an manchen Stellen so abgewürgt. Nichtsdestotrotz ist das ein erstklassiges Debüt, dass bei Anhängern dieser Spielart (also auch bei mir) definitiv Gefallen gefunden hat und finden wird.
𝕽𝖊𝖟𝖊𝖓𝖘𝖎𝖔𝖓: 𝕿𝖔𝖉𝖋𝖊𝖎𝖓𝖉 / 𝕲.𝕺.𝕾.𝕭. 𝟐𝟎𝟐𝟒
