Ahnenerbe / Ewige Eiche – „Gloria Germania“ – Rezension

Vor sechs Monaten erschien über Neuschwabenland Propaganda eine Gemeinschaftsproduktion zweier schon seit geraumer Zeit im Untergrund des deutschen Schwarzmetalls aktiven Projekte, auf welche ich mehr als gespannt war. Hierbei mit vier Stücken vertreten ist zum einen Ahnenerbe, das schwarzmetallische Projekt von Sigskald. Dieser sehr umtriebige Musiker veröffentlicht auch unter seinem eigenen Namen Alben, deren Musik aber wesentlich ruhiger ist. Außerdem ist er bei weiteren folkloristischen Projekten aktiv. Zum anderen trägt Ewige Eiche, das völkische Musikprojekt von Eichenmann ebenfalls vier Lieder für das „Gloria Germania“ betitelte Album bei.
Was zunächst schon einmal auffällt, bevor man den Silberling überhaupt eingelegt hat, ist die optisch sehr ansprechende und wertige Aufmachung als Digibuch mit jeweils einer Zeichnung eines Schlachtszenarios, welches in schwarz-weiß gestaltet ist und jeweils nach oben und nach unten vom jeweiligen Projektnamen bzw dem Albumtitel und rechts und links vom jeweiligen Logo samt gekreuzten Waffen (Schwert und Mörsergranate) umsäumt wird.
Hierbei stellt sich nun die Frage, ob die Musik die schicke Aufmachung auch rechtfertigen kann. Die Antwort auf diese Frage werde ich mir für den Schluss dieser Besprechung aufsparen.
Ahnenerbe steigen mit „Ruhmes Ewigkeit“ ins Geschehen ein. Dieses Stück fungiert als Einleitung, welche mit Tastenklängen und Trommelschlägen unterlegt wird. Alsbald sind im Hintergrund Gewehrsalven und ein Militärbericht zu hören, welcher höchstwahrscheinlich der Wochenschau entnommen worden ist. Man ist gespannt, auf das was folgen wird.
Der Einstieg ins Metallische erfolgt mit „Das Blut“, welches ein gewaltig melodisches Stück ist, das nach ca. drei Minuten abbricht, um mit Tastenklängen unterlegten Salven eines Maschinengewehrs zu weichen. Textlich wird hierbei der Kampf und die Opferbereitschaft der deutschen Soldaten besungen, welche heutzutage oft verteufelt werden, ohne sich wirklich in die damalige Lage der Menschen hineinversetzen zu wollen. Mehr sei dazu an dieser Stelle nicht gesagt.
Das folgende titelgebende Stück „Gloria Germania“ ist Herz- und Kernstück dieses Tonträgers und erstreckt sich auf über zehn Minuten, welche wie im Fluge vergehen. Dieses Epos ist musikalisch ein stetes Auf und Ab an Intensität und schwankt zwischen brachialem Schwarzstahl und erhabenem Schwelgen. Alleine schon dieses Lied ist die Anschaffung des Tonträgers wert. „In Treue fest wir zu dir stehen, niemals sollst du untergehen. „
Der Beitrag von Ahnenerbe wird mit einer Eigeninterpretation des Liedes „Schwarze Sonne“ der mir bis dato unbekannten Truppe Genocide beschlossen. Da mir das Original, wie bereits erwähnt, nicht vorliegt, kann ich natürlich keine Vergleiche ziehen. Das Stück beginnt rasant, weicht alsbald aber einem getrageneren, schwelgerischen Teil mit andächtig vorgetragenen Zeilen. Zum Schluss nimmt das Lied, welches auch gut und gerne von Ahnenerbe selbst hätte stammen können, wieder an Fahrt auf. Der Refrain wird hierbei inbrünstig heraus geschrien.
Wurde die Seite A mit einer Nachspielversion beschlossen, so startet Seite B und seines Zeichens Beitrag von Ewige Eiche mit einer Nachspielversion. Ruhig und getragen bahnt sich Eichenmann seinen „Weg ins Licht“, so der Titel des Stücks, welches im Original von der Neofolkformation Darkwood stammt. Er verleiht dem Stück eine eigene spirituelle Klangfarbe und unterlegt seinen tiefen sonoren Gesang mit seinem selbst gebauten Instrumentarium. „Tief in uns’rem Geiste ruhen Gedanken, manchem fremd […]. „
„Euer Herzen Feuer“ ist ein typisch stampfendes Stück Heidenmetall mit dem allen Unterstützern bekannten Krächzgesang von Eichenmann, welcher in der Mitte des Liedes der Stimme einer Dame Platz macht. „Haltet euer Herzen Feuer heilig über alle Zeit. Künden muss es, dass ihr treuer als die hellsten Sterne seid.“
Das Feuer der Herzen lodert mit Sicherheit auch im „Runenkrieger, so der Name des folgenden Stücks. Der Beginn gestaltet sich ruhig und rein narrativ. Es wird ein Ausschnitt aus „Odhins Runenlied“, dem sogenannten Hávamál, welches Teil der Lieder-Edda ist, rezitiert. „Ich weiß daß ich hing am wind’gen Baum, neun Nächte lang mit dem Ger verwundet […]. „ Dieser Zeilen nahmen sich seinerzeit auch schon die leider schon seit Jahren inaktiven Thüringer Menhir an, aber das nur nebenbei. Das Stück ist mitreißend und eingängig. „Mein Schwert für Tyr, mein Blut für Thor, mein Herz für Freya, mein Leben für Odin.“ Dieses Lied sprüht vor Spiritualität, Leidenschaft und Kampfeslust.
Das abschließende über 8minütige „Stahl ist Heimaterde“ zeichnet sich durch die Verwendung einer Maultrommel aus. Gesanglich zeigt Eichenmann hier noch einmal seine Bandbreite zwischen Krächzen und sonorem Bassgesang. Diese Ode an das Heimatland setzt einen würdevollen Schlusspunkt und endet, wie der Tonträger begonnen hat, mit Gewehrdonner. Doch damit nicht genug, denn nach dem Lied ist vor dem Lied, sprich, dieses Album schreit geradezu nach einer zweiten, dritten und vierten Runde. Die Stücke beider Formationen sind vielfältig und mitreißend, was bei Gemeinschaftstonträgern leider nicht immer der Fall ist.
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