Dauthuz – „Uranium“ – Rezension

Das in Kennerkreisen mittlerweile mehr als beliebte Duo Dauþuz (bedeutet „Tod“ in althochdeutsch) schickt sich an, die Tage ihr fünftes bzw. sechstes Studiowerk dem nach neuen Bergwerksklängen lechzenden Hörer feilzubieten. Das Vorgängerwerk „Vom schwarzen Schmied“ gab es ja in zwei Ausfertigungen, einmal mit der bekannten Mischung aus schwarzmetallischem Gesang und klarer Stimme und einmal mit durchgehendem Klargesang und leicht modifizierter Instrumentierung. Aus diesem Grund müsste man natürlich eher von zwei separaten Alben sprechen. Aber sei’s drum, denn Priorität soll an dieser Stelle das aktuelle Werk „Uranium“ genießen.
Aragonyth S. (unter anderem auch bei Hagatiz aktiv) und Syderyth G. (alias Grimwald von Wintarnaht und früher auch Isgalder) agieren auf diesem Werk wieder komplett ohne Gastbeiträge im Gegensatz zum Vorgänger.

Die eröffnenden Geräusche eines Geigerzählers verheißen nichts Gutes, doch spiegeln sie den Alltag zahlreicher Bergleute unter Tage wieder. Diese setzten sich vor allem mit dem Abbau von Uran extremen Gesundheitsrisiken aus. Beim Einstiegslied „Pechblende (Gedeih und Verderben)“ setzt nach den eben genannten Geräuschen alsbald melodisch singendes Gitarren-Tremolo ein, wie man es von dem Duo kennt. Erinnerungen an die Spielart der leider verblichenen Gratzug werden hierbei wach. Syderyth kreischt und keift in absolut meisterlicher Manier. Bei Minute 5 erfährt der Hörer ein kurzes akustisches Innehalten mit gesprochenen Versen, bevor es in unvermindertem Tempo weitergeht. Das Schlagwerk wird von hammerartigen Schlaggeräuschen begleitet, wie man sie aus dem Bergwerk kennt. Der vom Sänger bekannte und geschätzte Klargesang fügt sich hierbei wieder sehr gut ein. Zur näheren Information sei noch erwähnt, dass Pechblende in der Bergmannssprache die alte Bezeichnung für uranhaltiges Gestein ist. „Pechblende – Gedeih und Verderben. Pechblende – bringt den Tod, dir und deinen Erben.“ Ein Einstieg, welcher Lust auf mehr macht.
„Radonquell 1666“ fährt ähnlich markantes Tremolo wie „Pechblende“ auf und bietet sehr emotional überbordenden Gesang und eine wiederkehrende eingängige refrainartige Melodie, welche zum einen nur mit „Aahh“-Chören begleitet wird. Zum anderen bietet Syderyth auch hier die volle Bandbreite, die seine Stimme hergibt, sprich knarziges Krächzen, hysterisches Kreischen und heroisches Singen. Die Gitarre bietet jede Menge schön anzuhörende Melodien. Zum Hintergrund des Titels sei noch bemerkt, dass im Jahre 1666 im thüringischen Ronneburg die ersten Radonquellen entdeckt wurden.
„Radonquell 1666, im Zeichen des Unheils, zur Rinnenburg empor gekrochen aus der dunklen Erd‘. Sie suchten Heilung, doch fanden sie nur den Tod.“
Das bereits vorab im Netz zu hörende „Wüst die Heimat“ beginnt flott und wird wenig später schleppender mit beeindruckendem Klargesang und präsentiert sich recht eingängig und überaus mitreißend. So Dauþuz je eine Bühne betreten sollten, wäre dieses Stück auf jeden Fall ein Publikumsmagnet und sollte auch im Dezember auf jeder Bergparade gespielt werden, kleiner Scherz am Rande. „Uran, Uran, der Mächt’gen Wahn. Der letzte Krieg ist ihre letzte Macht.“
Das zehnminütige „Ein Werkzeug des Todes“ ist vergleichsweise getragen mit nur vereinzelt schnellen Abschnitten. Beim Hören kommt eine relativ melancholische Stimmung auf, welche durch Syderyths Gesang in Kooperation mit dem die selbe Melodie spielenden Sechssaiter nur noch intensiviert wird. Nach siebeneinhalb Minuten folgt ein kurzer gesprochener Teil. Zum Ende hin verstummt das Schlagzeug und das Lied wird ausgeblendet.
„Moskau rief nach mehr, bringt Zwangsarbeiter in die Gruben her. Reparation in Fleisch und Blut, zerschunden im elenden Berg.“
Das außergewöhnlich betitelte „Wismut <Justiz>“ ist das kürzeste Stück des Albums und prescht ziemlich geradeaus hervor. Auch dieses Stück wäre bei einer eventuellen Bühnenpräsenz sicherlich mittanztauglich. Auch hier präsentieren uns die Beiden ihr mittlerweile routiniertes Können. Überraschend kommt das plötzliche Ausblenden zum Schluss des Stücks, welches textlich von der der damaligen UDSSR unterstehenden Wismut und deren Umgang mit Kritikern zum Beispiel der mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen unter Tage handelt. Die Betreffenden mussten sich der bis in die 50er Jahre bestehenden eigenen Gerichtsbarkeit des Sowjetregimes beugen und hatten dementsprechend drastische Strafen zu erwarten. „Verbrecher, Diebe und Spione nannte man sie. Zwangsverpflichtet in den Berg getrieben. Verzweifelte ersäuften ihren Kummer im Bergmannstod. Versuchten zu fliehen oder zu ertragen, was unerträglich war.“

Beschlossen wird das Werk von „Uranfeuer 55“. Diesmal vernimmt man wieder etwas getragenere Klänge, aber auch temporäre Ausbrüche im Spieltempo bringen Abwechslung hinein. Syderyths gesangliche Fähigkeiten sind mittlerweile zu einem Markenzeichen geworden. Thematisch bezieht sich der knappe Zehnminüter auf das größte Grubenunglück der Wismut, welches sich am 15. Juli 1955 ereignete. Damals starben 33 Bergleute bei einem Brand. 106 konnten zum Glück gerettet werden. „Uranfeuer 55 im Blindschacht 208, 9 Tage die Glut, die Grube zerfraß. Auf der Sohle, in 480er Teufe, Flammenzier im Urangewand.“
𝕱𝖆𝖟𝖎𝖙:
Dauþuz bleiben sich auch mit diesem Album musikalisch treu und das ist auch gut so. In den Liedern selbst passiert sehr viel und darüber hinaus entwickelte das Duo mit dem lyrischen Thema Bergbau ein Alleinstellungsmerkmal, welches im Schwarzmetall und darüber hinaus seinesgleichen sucht.
Erhältlich ist das knapp 50minütige Werk einmal mehr über Amor Fati als CD und als Vinyl. Auf Kassette wird das Album über Syderyths eigenen Verlag Archaic Oath veröffentlicht.
Ich konstatiere: Alles richtig gemacht.
𝕽𝖊𝖟𝖊𝖓𝖘𝖎𝖔𝖓: 𝕭𝖗𝖆𝖌𝖎 (𝕲𝖆𝖘𝖙𝖘𝖈𝖍𝖗𝖊𝖎𝖇𝖊𝖗) - 𝕲𝖊𝖗𝖒𝖆𝖓𝖎𝖙𝖆𝖘 𝕺𝖙𝖍𝖆𝖑𝖆 𝟐𝟎𝟐𝟒

