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Wurzelkraft, die bayerische Schwarzmetallschmiede, welche unter diesem Namen, seit 2004 ihr Unwesen treibt, verΓΆffentlichte vor wenigen Tagen, ihr drittes Komplettwerk. Unter dem Namen „Urgrund“, wird wieder reichlich Gift und Galle gespuckt. Erschienen, ist dieses Werk ΓΌber Neuschwabenland Propaganda.



Eigentlich muss man zu Wurzelkraft nicht mehr viel sagen, jeder, der im deutschen Schwarzmetalluntergrund „aktiv“ ist, kennt dieses Projekt und weiß, worauf er sich einlΓ€sst. Rohe KlΓ€nge, gepaart mit politisch und gesellschaftlich inkorrekten Texten. Hier macht sich Hauptakteur „Pestilenz“ ordentlich Luft und thematisiert beinahe alles, was ihm unter den NΓ€geln brennt.

Das mir vorliegende Album kommt mit insgesamt sieben Titeln und einer Gesamtspielzeit von rund 32 Minuten. Auch ein Beiheft ist enthalten und bietet einen lyrischen Einblick, kompakt und thematisch entsprechend gestaltet.

Zu erwΓ€hnen sei, dass „Pestilenz“ dieses mal einen zweiten Mitstreiter an Bord hat. „Skatval“, der selbstredend auch kein neues Gesicht im Schwarzmetall ist und bereits reichlich musikalische Vorerfahrung mit bringt.


Wenn Wurzelkraft eines wirklich zu seiner Hauptaufgabe erklÀrt hat, dann der Umstand, dass an allem und jedem Kritik geübt werden kann und muss. Ob es Kasperletruppen, wie Kirchenbrand oder Kanonenfieber sind, die ihr verdientes Fett abbekommen, der Zustand der aktuellen Szene oder eben das Rückbesinnen auf alte Werte und Normen. Das lyrische Spektrum ist vielfÀltig und Àußert sich, in den einzelnen Titeln, konkretisierter.

Es gibt aber auch Neues, denn der textliche Aspekt ist, insofern man Wurzelkraft kennt, keine Neuerung, sondern fester Bestandteil. Musikalisch wurde es stellenweise deutlich melodischer, so wechseln die Abschnitte stetig ihr Tempo, nicht nur rohes Geknüppel, sondern ebenso ruhige Momente und mitreißende Elemente. Der Untergrundklang ist natürlich erhalten geblieben, obgleich auch hier eine hârbare Aufwertung stattgefunden hat, ohne aber, vâllig sauber zu klingen.

Ein markantes, neu hinzugekommenes, Merkmal ist, dass Wurzelkraft nun auch vermehrt auf Klargesang setzt, um so epische und aussagekrΓ€ftige Momente zu stilisieren und hervorzuheben.Β  Dies verleiht der Titelstruktur nicht nur eine gewisse Vielschichtigkeit, sondern erhΓΆht auch den Tiefgang enorm.

„KΓ€mpferschar“ ist so ein besonderes StΓΌck, dass vornehmlich auf geballte Aggression setzt, im spΓ€teren Verlauf dann aber die sprichwΓΆrtliche Bremse zieht, einen epischen Prolog einbindet und eine klare und gut verstΓ€ndliche „ErzΓ€hlerstimme“, eben erwΓ€hnten Tiefgang, maßgeblich zu erzeugen weiß.

Ein weiteres Beispiel ist wohl „Flieg Adler flieg“, ein mahnender und historischer Apell, welcher es versteht, zwischen mitreißenden und treibenden musikalischen Elementen zu wechseln. Hierbei wird vor allem auf textliche Anschauung wertgelegt und der Gesang unterstreicht die dafΓΌr vorgesehenen Abteile.

Mit Corpus Delicti (β€žKΓΆrper des Verbrechensβ€œ) haben wir, ein fast schon klassisches Wurzelkraft Exemplar, dass sowohl inhaltlich auch aus musikalischer Sicht, alles bietet, was ein SchwarzmetallstΓΌck beinhalten sollte.
Roh, schnell, zumindest zu Beginn und mittendrin, wieder Klargesang. Dazu mitreißende Riffs und ausgeklügeltes Schlagzeug.


Aus instrumentalischer Sicht, ist auch einiges an Reifeprozess von statten gegangen. Schlagwerk und Gitarren harmonieren hervorragend und bilden eine gewisse Symbiose aus Rhythmus und Klang. Keines der Instrumente ist zu sehr im Vordergrund oder verschwindet im Hintergrund. Der kratzige und „ΓΌbersteuerte“ Ton, ist definitiv ein Stilmittel, um die rotzige Art seitens WurzelkraftΒ  zu verdeutlichen. Denn, auch wenn man sich gemausert hat und eine gewisse Entwicklung unverkennbar ist, mΓΆchte man den alten Klang beibehalten und so seinen „Wurzeln“ treu bleiben. Insbesondere bleibt man sich einer Sache treu und zieht diese konsequent durch – anecken wo es nur geht, kein lobendes Wort, fΓΌr niemanden und insbesondere nicht, fΓΌr gewisse gesellschaftliche UmstΓ€nde.

„Urgrund“ ist aber, und das liest sich schnell heraus, kein historisches oder mythologisches Konzeptalbum. Die Thematiken sind breit gefΓ€chert und bedienen allerhand Ausrichtungen. Von Heldenmut, ΓΌber historische Apelle, bis hin zu Blasphemie und Verdammnis, wird alles geboten. Ein Konzept wird aber, nichtsdestotrotz, auf so ziemlich jedem Werk verfolgt und dass ist, blanker und abgrundtiefer Hass.


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Auch wenn dieser Satz mehr als ausgelutscht ist, so trifft er hier doch zu:
„Wurzelkraft steht drauf, ergo ist Wurzelkraft auch drin!“ Das finden jetzt einige gut, andere schlecht, jedenfalls hat es meinen Geschmack getroffen und meine Erwartungen sogar ΓΌbertroffen. Mir gefΓ€llt die gesangliche und auch musikalische Entwicklung und der Umstand, dass trotz alledem, nicht auf die rohe und unbarmherzige Klangstruktur verzichtet wird, was die oben stehende Aussage nur manifestiert. Der Klargesang ist eine wirkliche Bereicherung (und nein nicht die Bereicherung, von der man tΓ€glich in der Zeitung liest). Pestilenz und Skatval bieten mit „Urgrund“ ein mehr als solides, inhaltlich breit aufgestelltes und musikalisch abwechslungsreiches HΓΆrerlebnis. Nichts fΓΌr Zartbesaitete und erst recht nichts fΓΌr Bessermenschen, jedweder Couleur.


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