𝕹𝖊𝖇𝖔 – 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆 𝖅𝖜𝖎𝖊𝖌𝖊𝖘𝖕𝖗𝖆𝖊𝖈𝖍

Durch die letzten Jahre hinweg haben wir immer wieder musikalische Beiträge eines sächsischen Schwarzmetall Projektes geteilt, über das es so vieles Interessantes zu erfahren gibt, jedoch hat bis heute kaum jemand den Versuch unternommen, dieses komplexe und musikalisch vielversprechende Konstrukt mal genauer zu erforschen.

Ashtavakra lautet der klangvolle Name. Was sich dahinter verbirgt, erfahrt ihr im folgenden Zwiegespräch. Wir haben uns mit Nebo, dem Künstler hinter diesem Projekt, zusammengesetzt, und haben nun die Möglichkeit allen Interessierten und Unterstützern einen detaillierten Einblick zu ermöglichen.


GERMANITAS OTHALA:

Sei gegrüßt. Bevor wir beginnen, ein ausdrückliches Danke schön an dich, dass du dir die Zeit genommen hast, uns, und natürlich auch deinen Unterstützern, ein paar Fragen zu beantworten. Lass uns mit den oberflächlichen Fakten beginnen. Ashtavakra und Nebo sind zwei interessante Namen, wie bist du zu ihnen gekommen, und was möchtest du damit bewirken? Wann hast du damit angefangen?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Grüße und danke ebenfalls! Nun, Ashtavakra war der Entschluss, dem Projekt den intellektuellen und vor allem spirituellen Anstrich zu geben, der es passend beschreibt. Der vorherige Name wäre nebst falscher Schreibweise (ich kann bisweilen kein Hebräisch) definitiv willkürlich uminterpretiert worden. Und das sollte nicht Sinn der Sache sein. Ashtavakra war ein indischer Weiser und Erleuchteter, der in der Ashtavakra Gita den Zustand der Erleuchtung und die Illusion des Materiellen beschreibt. Als ich den Namen wählte, wohnte ich für ein paar Monate abseits meines Umfelds, war sehr viel alleine und hatte entsprechend Zeit zum Nachdenken und Meditieren. Deshalb war dieser Titel naheliegend und noch dazu kein Allerweltsname im westlichen Black Metal. Bewirken wollte ich damit nach außen hin erst mal gar nichts weiter. Zumindest nicht bewusst.

Nebo… Um ein Pseudonym habe ich mich nicht grundlos so lange gedrückt. Auch wenn es Selbstverarsche wäre, sich durch ein solches anonym zu fühlen, bricht es zumindest mit der reduzierten Identität, die einem die Gesellschaft zuschreiben will. Zur Wahl des Namens: Zum Einen ist mir bewusst, was es grundlegend mit diesen „antiken“ Namen auf sich hat, zum anderen sollte es, wenn schon, einer sein, mit dem man sich auch hinreichend identifizieren kann. Nebo ist die hebräische Version von Nabu, dem Sohn von Marduk und Enkel des Erzrebellen Ea bzw. EnKi. Letzterer ist beispielsweise auch als Luzifer, Semael oder Quetzalcoatl bekannt. Nabu/Nebo gehört somit dem nahash’ligen Flügel von Anus Familie an. Nicht ohne Grund war er auch in anderen Kulturen hoch angesehen. Als „Halbblüter“ musste er zwangsläufig hier bleiben und trat in der Geschichte mehrfach unter einschlägigen Namen in die Öffentlichkeit oder ließ andere historische Personen unter seinem (kryptischen) Banner agieren.

2010 oder -11 begann ich, Lieder in Richtung Black Metal zu schreiben und ernsthaft Gitarre zu üben/spielen. Bis dahin konnte ich nur auf Lagerfeuerliedniveau klimpern. Totgeburten und Amnesie waren die zwei ersten Resultate. Anfangs versuchte ich es nochmal mit anderen Musikern. Wir übten Totgeburten, Monvoisins Schauspiel und Karzinom. Eigentlich schade, dass kein Demo zustande kam.


GERMANITAS OTHALA:

Da hast du  ganz offensichtlich viel Zeit und Mühe investiert, den für dich passenden Namen zu finden. Auch wenn zu Beginn leider keine Demo daraus geworden ist, kannst du uns und unseren Lesern nähere Hintergründe zu deinen bisherigen Veröffentlichungen geben?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

2016 kam das erste offizielle Demo, „Also sprach“. Die Aufnahmen verstaubten eh schon lange und letztlich konnte mein weltbester Bro Semael mich doch dazu bringen, sie auf ein offizielles Demo zu packen. „Sick of Your Shit!“ war gewissermaßen Auslöser, Nägel mit Köpfen zu machen, wenn sich schon kein Label zu interessieren schien. Diese hass- und frustgeladene Fünf-Minuten-Terrine musste einfach mal sein.

Tja, Oktober desselben Jahres änderte sich mit Semaels Tod alles radikal für mich. Anstatt dass Lieder lange wachsen und reifen, bevor sie aufgenommen werden, wurde die Musik zum Druckventil, um mit dem Verlust fertig werden zu können. Es trieb mich etwas an, die Lieder so schnell wie möglich in die Welt zu schreien, selbst wenn sie noch unvollendet wirkten oder nicht sauber eingespielt waren. Das Gefühl musste raus. Selbst das Cover für die Resistance war eine Zeichnung, die Pi mal Daumen 10-15 Minuten brauchte. Teilweise gestaltete es sich mit den Liedern ähnlich, außer bei „Raise the Serpent‘s Banner“ und „When God is dead, we live at last“. Erst für die CD nahm ich mir die Zeit, noch Bassspuren für alles aufzunehmen und möglichst mehr als nur vier Grundtöne zu spielen.

Die beiden Rehearsals waren eine Sammlung von Liedern, die im Zeitraum davor und danach entstanden. Dort ins Detail zu gehen, erspare ich den Lesern mal.

Die Zusammenarbeit mit Orek (Beste Grüße!!!) führte zu meinem persönlichen Favoriten unter den bisherigen VÖs. Sein erstes Demo lief bei mir rauf und runter, sowie ich es entdeckt hatte. Mit ihm an der Split zu arbeiten, war wirklich angenehm und ganz offen gesagt konnte ich mit dem Lied „Shell Splinters“ auch unheimlich viel Ballast abwerfen.


GERMANITAS OTHALA:

War Black Metal für dich damals die passende Musikrichtung, oder hast du auch darüber nachgedacht, tatsächlich einen komplett anderen Weg, im musikalischen Sinne, einzuschlagen?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Schwer zu sagen. Von Anfang an ging es einfach darum, mich da ausdrücken zu können, wo Worte ihren Wert oder Nutzen verlieren. Gewissermaßen ist Black Metal auch ein Sprachrohr der Natur und der Musiker ihr Medium. Man hört an der Musik, ob jemand diese Verbundenheit in sich trägt oder nicht. Der Zustand, in den unsere Spezies diesen Planeten und sich selbst gebracht hat, spricht Bänder, warum unsere Lieblingsmusik so klingt, wie sie klingt. So gesehen war es also ganz klar Ausdrucksmittel erster Wahl.

Was andere Genres angeht, bin ich flexibel. Die Popmusik der 80er wusste mitunter mehr unterschwellige Sehnsucht auszudrücken als so mancher moderner Extreme Metal. Soll aber nicht heißen, dass es Ausdrucksmittel meiner Wahl wäre. Habe auch Rocklieder aufgenommen, nur ist mein Gesangstalent eher bescheiden. Zukünftig wird deshalb Opheon als Mitglied bei Ashtavakra mitwirken.


GERMANITAS OTHALA:

Des weiteren könntest du uns gerne einen Einblick in dein lyrisches Schaffen gewähren. Woraus entstehen deine Texte, und wie verarbeitet du deine Leidenschaft für die Musik darin?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Zu Entstehungszeiten von „Der fallende Rabe“ schrieb ich eine Zeit lang einfach ein paar Gedichte, unter anderem „Totgeburten“ oder „Karzinom“. Das war ein schieres Hinterfragen von allem und jedem. Von jeder Norm, jeder Gepflogenheit, von allem, was als gegeben betrachtet wird. Wenn mich eines schon immer massiv angekotzt hat, dann Herdenmentalität und Feindbildprojektion. Auch bei mir selber, wenn ich diese feststellte. Man muss nur die richtigen Knöpfe drücken und schon verfallen selbst die kritischeren Geister doch wieder in Hirnlegasthenie und heulen mit den Wölfen. In der Weltgeschichte hat das so oft die altbekannten Resultate (z.B. Scheiterhaufen) hervor gebracht, dass man sich als halbwegs denkfähiges Wesen echt nur fragen kann, was man verbrochen haben muss, um in diese Welt geschissen worden zu sein, die sich zwar äußerlich massiv, innerlich aber kaum verändert hat. Man kann es kaum unfreundlich genug ausdrücken, wenn sich beispielsweise mehr über Worte aufgeregt wird als über Fakten. Dass die Kolonialpolitik des Westens die Welt von vorne bis hinten zerstört und unsägliches Leid verursacht (Und natürlich gibt es auch andere Ursachen!) oder dass dieser Planet brutal durch unser kurzsichtiges Wirtschaftssystem vergewaltigt wird, DAS sind Fakten! Ob jemand einen politisch korrekten Terminus benutzt oder jemand in irgendeinem Belang vielleicht nicht den eigenen Moralvorstellungen entspricht, das ist Jammern auf höchstem Niveau, weil man mit den reellen Problemen dieser Welt maßlos überfordert wäre und es sich lieber in seiner kleinen pseudoheilen Welt gemütlich macht. Und diese braucht natürlich Feindbilder, wie sonst sollte man seine witzlose Existenz definieren?

Das fasst die Grundmotivation recht gut zusammen. Die Verzweiflung über die Missstände, und wie sie konsequent aufrecht erhalten werden, kann einen echt auffressen und einem die Kraft rauben. Wir Menschen sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Auch die endlose Leere und Inhaltslosigkeit, in der diese Gesellschaft sich bewegt und die blanke Ignoranz gegenüber allem jenseits des Tellerrandes, die zerfressene Missgunst und Kleinlichkeit, die blinde Ablehnung von allem, was nicht ins eigene Weltkonzept passt, das alles sind maßgebliche „Motivationen“ für meine Musik. Man braucht ein Gegengewicht, das einem wieder Energie gibt und die Möglichkeit, das alles konstruktiv zu verarbeiten. Aber selbst dazu kann einem echt phasenweise die Kraft verloren gehen, wenn man zu tief ins Fangnetz gerät und langsam von der Natur entfremdet wird. Was vermutlich auch Sinn und Zweck der Sache bzw. des Systems ist.


GERMANITAS OTHALA:

Über die letzten Jahre hinweg hat sich durchaus auch ein immer mehr politisch werdender Diskurs im Black Metal bemerkbar gemacht. Verschiedene ideologische Strömungen sind durch Einzelpersonen oder Gruppierungen in diese Szene vorgedrungen, haben Subgenres hervorgebracht oder versuchen teilweise sogar eine Deutungshoheit zu beanspruchen. Wie hast du diesen Prozess wahrgenommen, bzw würdest du dich und dein Projekt durchaus auch politisch verordnen?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Ich persönlich mag die Diversität dieses Genres und möchte sie nicht missen. Wenn man ein Subgenre lediglich nach textlichen Inhalten, nicht nach klanglicher Orientierung, unterscheidet, kann das seinen Zweck haben aber man kann es auch hart übertreiben. Beispielsweise wenn man Künstler als politischen BM kategorisiert, nur um ihnen das Leben schwer zu machen oder weil man ein primitiver Schubladendenker ist. Oder beides. Wenn ein Musikprojekt keine klaren politischen Inhalte kolportiert, ist es kein politischer Black Metal. Tut es das doch, mir auch schnuppe. Was wäre Meinungsfreiheit ohne die Freiheit des Andersdenkenden? Keinen Pfifferling wert.

Was politische Tendenzen angeht: Ja, diese Tendenz ist nicht zu übersehen. Verordne ich mein Projekt politisch? Das wird wohl näherer Erläuterung bedürfen. Erstmal jaein. Ich spreche mich eindeutig gegen jede Form von Zensur und anderer Bevormundung aus. Ich bin ein erwachsener Mensch und mir hat niemand Vorschriften zu machen. Das schließt Kunstfreiheit selbstverständlich ein. Egal, ob ich einem Künstler zustimmen kann oder nicht. Und wenn Konzerte mit faschistoiden Methoden be- und verhindert werden, ist das indiskutabel.

Folglich bin ich überzeugter Anarchist. Ich bin radikal lebensbejahend, will frei sein und ich will, dass jedes Lebewesen frei ist. Nur in Freiheit und Resonanz mit der Natur kann ein Mensch zu einem gesunden, selbstbewussten und eigenständig denkenden Wesen heranwachsen und sein volles Potenzial entfalten. Und als solches wird er sich als Teil der Natur begreifen und verantwortungsbewusst handeln können. Ausnahmen wird es zwar auch in einer globalen Anarchie immer geben, aber kein System mehr, das soziopathischen Arschlöchern Tür und Tor zum Ausleben ihres Willens zur Macht öffnet, um ihnen dann noch die Konsequenzen für ihr rücksichtsloses Handeln zu erlassen. Wenn nicht einmal nahe Stehende mir mein Leben vorschreiben dürfen, warum dann irgendeine abstrakte Person? Wäre anstatt einer Rotation in der Postenbesetzung im System (Installation einer alternativen Ideologie-Vorherrschaft mit Bevorzugung präferierter Menschen- und Interessengruppen) eine Entwicklung zur kompetenz- und relevanzorientierten Organisation in Wirtschaft und Politik nicht der vernünftigste nächstliegende erste Schritt, um reelle Verbesserungen zu erzielen?

Wenn ich schon mal das Wort bekomme (Danke nochmal dafür!), warum nicht bei der Gelegenheit Nägel mit Köpfen machen und mal alles auf den Tisch bringen:

Anarchie wird gern mit Anomie verwechselt, ist allerdings schlichtweg eine Gesellschaft ohne Herrschaft. Es mag Fürsprecher und Führungskompetenzen geben, jedoch würden die sich durch Qualitäten auszeichnen, nicht durch das Lecken und Durchwandern möglichst vieler Darmausgänge oder durch das Verursachen möglichst vieler Jochbeinfrakturen, auf dem Weg nach „oben“ im Darmtrakt des Systems. Bisweilen gestaltet es sich ja so, dass man vom Scheißhaufen zum Mitverursacher der Scheiße wird, wenn man die Karriereleiter empor klettert. Es mag natürlich Ausnahmen geben.

Anarchie wird auch gern mit Linksfaschismus verwechselt, wobei mir diese Hirnakrobatik echt nicht in den Kopf gehen will. Entweder man strebt zur Freiheit oder man betreibt Meinungsterror, bevormundet Menschen und spricht Personengruppen ihre Integrität ab, während man andere bevorzugt. Entweder – oder! Wer es nicht gebacken bekommt, Menschen so leben und denken zu lassen, wie sie wollen (solang sie, wie gesagt, anderen damit nicht eindeutig schaden), kann kein Freund der Freiheit und erst recht kein Anarchist sein! Das kann man sich gern mal hinter die Ohren schreiben!

Gern kommt auch der Vorwurf, der heutige Mensch wäre nicht bereit für eine solche Ordnung. Wer behauptet das denn auch? Der Weg in eine solche Gesellschaft müsste über Generationen erarbeitet werden. Aber warum auch nicht? Uns rennen nur die Lebenszeit, die Fauna und die Permafrostböden davon. Im Status quo kann man nur verlieren. Was wollen manche Eltern ihren Kindern und Enkeln sagen, wenn die Welt dann noch halbwegs existieren sollte und sich keine klare Besserung eingestellt hätte? „Klar hätten wir was verändern können, aber dann hätten wir ja bei uns selbst anfangen müssen“?

Zurück zur politischen bzw. politisierten Entwicklung: Wenn eines ausnahmslos überall in der BRD auffällt, dann, dass sich der Meinungskorridor deutlich einschränkt. Deutungshoheit erlangen zu wollen, ist ein allgemeines Phänomen unserer Zeit, nicht nur im Black Metal. Und damit zeigt sich doch deutlich, wie „anders“ manche Vertreter dieses Genres überhaupt noch sind.


GERMANITAS OTHALA:

Wie siehst du das beispielsweise bei anderen Kapellen oder Projekten? Hast du das Gefühl, dass sich Black Metal über die letzten zehn bis 15 Jahre zu etwas entwickelt hat, bei dem jeder einmal mitmachen will, oder dass sich langsam wieder die Rückbesinnung zu den Wurzeln bemerkbar macht?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Selbstverständlich kann ich darauf nur intuitiv aus eigener Wahrnehmung antworten. Zu den Wurzeln kann ich nichts sagen; zu der Zeit war ich noch Quark im Schaufenster. Was genau diese Wurzeln sind, weiß ich nicht. Was ich aber mit Gewissheit sagen kann, ist, dass Black Metal naturverbundene Menschen auf eine Art berühren kann, die dem Durchschnittsmenschen nahezu völlig unvorstellbar sein dürfte. Wenn Leute minimalen Elektro – bestehend aus einem lahmen Beat und, wenn überhaupt, drei Grundtönen – als emotionale oder „gute“ Musik empfinden, geht mir persönlich der Hut hoch. Ähnlich geht es mir aber auch allgemein bei beliebig und belanglos klingender Musik. Wenn etwas vermutlich als Wurzel gewertet werden kann, dann das Potenzial, etwas Neues zu erschaffen, auf künstlerische Konformität sowie soziale Norm zu scheißen und den abrahamitischen Monotheismus als die Gefahr zu begreifen, die er nun mal für alles Leben auf der Erde darstellt. Irgendwie scheint gerade Letzteres nicht mehr wirklich präsent zu sein. Und dabei müsste man sich nur unsere Feiertage betrachten, unsere Parteien, auch die „alternativen“, die christliche Wertegemeinschaft und die ständige Leier vom christlichen Abendland. Das Christentum ist hier so überrepräsentiert, dass es mir ein Rätsel ist, warum man es nicht als die ungebrochene Machtstruktur erkennen will. Und, das ist meine Vermutung, die ständige Panikmache vor dem Islam ist in diesem Fall ein willkommenes Instrument, um die „Rückbesinnung auf christliche Werte“ zu forcieren. Das macht den Islam kein Deut besser, man sollte nur den Kontext nicht aus den Augen verlieren, in welchem er kritisiert wird und ob es in diesem zielführend ist. Wo marschiert denn die „christliche Wertegemeinschaft“ seit Jahrzehnten ein? In christliche Länder oder muslimische?

Zurück zum Werdegang des Black Metal. Seine kreative Hochphase hatte dieses komplexe Genre bis vor wenigen Jahren, würde ich sagen. Hört man sich inzwischen auf einschlägigen YouTube-Kanälen (und bei einigen Labels) so manches an, fragt man sich jedoch ernsthaft, warum manche Leute überhaupt Musik machen. Wäre es aus tiefster Überzeugung, wäre die Leidenschaft und Intensität nicht zu überspüren – Produktionsqualität hin oder her. Aber das ist meines Eindruckes nach oft nicht der Fall und man sollte lernen, es zu ignorieren. Sonst wird man womöglich selber zu dem, was man doch ablehnt. Kümmern wir uns also lieber um jene, die diese Glut noch in sich tragen.


GERMANITAS OTHALA:

Was uns auch gleich zur nächsten Frage bringt, die uns beispielsweise in unserem Schaffen immer wieder neu antreibt, teilweise aber auch ins Grübeln bringt. Wie bewertest du dem momentanen Zustand der deutschen Schwarzmetall Szene? Gibt es Dinge die dir gut gefallen, oder missfällt dir eher einiges?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Ich kenne die Szene nicht wirklich, sehe aber in Sozialen Netzwerken des öfteren, wie man sich untereinander verhält. Grundlegend gefallen mir Menschen, die für sich selbst denken und sprechen können und die ihrem Gegenüber mit Aufrichtigkeit und Respekt entgegen treten. Grundlegend missfallen mir missgünstige, unaufrichtige und respektlose Menschen.


GERMANITAS OTHALA:

Was kann getan werden, was muss getan werden?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Man muss endlich einmal begreifen, dass wir drauf und dran sind, unsere eigene Lebensgrundlage so weit zugrunde zu richten, dass es Massensuizid auf Raten ist. Man muss endlich begreifen, dass konstruktive Lösungen, um unsere eigenen Ärsche zu retten, zielführender sind, als sich zu begeifern. Man muss endlich mal begreifen, dass man sein eigener Herr sein muss, um in der Welt etwas verändern zu können. Man muss sich selbst ebenso wie alles andere stets aufs Neue hinterfragen.


GERMANITAS OTHALA:

Ein wichtiger Eckpfeiler in der heutigen Black Metal Landschaft sind die Platten- und Vertriebsfirmen. Man kann davon halten, was man möchte. Wenn man nicht ein komplettes Organisationstalent ist, wird es mit den eigenen Veröffentlichungen und höheren Zielen etwas schwierig. Wie beurteilst du diese Instanzen?

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Es gab nur ein Label, das mich sofort annahm: Wolfmond Productions! Bei Labels und Musikmagazinen anzufragen, gleicht meiner Erfahrung nach einem Gang nach Canossa. Es ist schlichtweg demütigend, denn eigentlich will man seine Musik für sich sprechen lassen, andererseits ist man doch auf Unterstützung gewissermaßen angewiesen und dann wird sie einem verwehrt. Und wenn man tatsächlich was zu sagen hat (soll ja vorkommen), dann ist man merkwürdiger Weise noch schneller geleimt. Soweit mein Empfinden. Wenn ein Label tatsächlich keine Kapazitäten mehr hat, ist das natürlich verständlich. Trotzdem kann ich jungen Künstlern nur raten, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, bevor man sich selbst dabei stückweise verrät oder verliert. Lieber weniger Hörer, dafür aber die richtigen. Und zur Not reichen dafür auch „Bandcamp“ und eine handvoll gebrannter CDs.


GERMANITAS OTHALA:

An dieser Stelle möchte ich dir danken, dass du dir die Zeit genommen hast um uns so ausführlich zu antworten. Das dürfte uns und allen interessierten Lesern doch einiges an neuem Input vermitteln können, vielleicht regen sogar den ein oder anderen deine Worte zu Überlegungen an?!  Nichtsdestotrotz möchte ich selbstverständlich dir die letzten Zeilen überlassen.

𝕹𝖊𝖇𝖔 / 𝕬𝖘𝖍𝖙𝖆𝖛𝖆𝖐𝖗𝖆:

Na, an Worten haben wir ja nicht gerade gespart. Danke, dass ihr mich hier so ausführlich zu Wort kommen lassen habt. Grüße gehen raus an die üblichen Verdächtigen!


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Interview: Terry
Bilder: Ashtavakra