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Vielen Freunden des hiesigen Schwarzmetalls dΓΌrfte, wenn sie denn einigermaßen “untergrΓΌndig” unterwegs sind, der Name Nebelgrund mehr als gelΓ€ufig sein. Seit 2013 treibt ein Herr namens Nebelgeist, welcher in Mittelfranken beheimatet ist, bereits sein musikalisches Unwesen. Day’s End (eine Art atmosphΓ€rischer DSBM) und aktuell auch GrΓ€ul, sind seine weiteren BetΓ€tigungsfelder. Nichtsdestotrotz liegt sein Hauptaugenmerk aber vor allem auf Nebelgrund. In BΓ€lde soll nun via “Journey To The End” das neue und mittlerweile fΓΌnfte Album, β€žAn den Toren von Krieg und Todβ€œ genannt, erscheinen.

Ich muss vorab zugeben, dass ich nicht mit der gesamten Diskographie von Nebelgrund vertraut bin. Lediglich der GemeinschaftstontrΓ€ger β€žIm Tode vereintβ€œ mit Ysbryd und Helsang sowie das bislang letzte Album β€žRauhnachtstrΓ€umeβ€œ und der Beitrag zur Liedkollektion der Doppel-CD von Germanitas Othala waren mir bisher bekannt. Limitierungen durch den frΓΌheren Verleger Winterwolf Tonschmiede erschwerten zu spΓ€t Gekommenen, sich die betreffenden TontrΓ€ger in die Sammlung zu stellen. Deshalb kann ich als Vergleich auch nur wenig zu Rate ziehen. Aber das ist sicherlich auch nicht notwendig, da ja bekanntlich jedes Werk fΓΌr sich stehen sollte.

ErΓΆffnung findet das ungefΓ€hr 55 Minuten lange Werk mit β€žGefangen freiβ€œ und seines Zeichens guten melodischen Gitarren. Das Schlagwerk legt marschierend und variiert im Tempo. Nebelgeists Stimme krΓ€chzt recht verstΓ€ndlich. β€žEin Zweig mag bersten, doch wΓ€chst er zum Stamm, so kann sich mancher dran reiben. β€ž Der metaphorische Text kΓΆnnte als Synonym fΓΌr die heutige Zeit verstanden werden. Man ist scheinbar frei, kann sich ΓΌberall hin bewegen, doch wird man von Gesellschaft und Staat bis ins Kleinste reguliert und bevormundet. So heißt es nun zusammenzuhalten und gemeinsam fΓΌr die Freiheit zu kΓ€mpfen. Der repetitive Charakter der Gitarre, vor allem zum Schluss hin, erinnert von der Machart her etwas an β€žJesus Todβ€œ von Burzum.

Die Leiden des Krieges werden im Titellied β€žAn den Toren von Krieg und Tod (Yggdrasil in Flammen) β€ž musikalisch verdeutlicht. Kriege werden schon seit Menschengedenken gefochten. Wahre Sieger sind nur die scheinbar MΓ€chtigen. Eine melancholische Gitarrenmelodie leitet das StΓΌck ein, das pumpende Schlagwerk gesellt sich alsbald dazu. Der Klangwall wird kurze Zeit spΓ€ter noch intensiviert durch mehrspurigen Einsatz der Saiten und untermalende TastenklΓ€nge im Hintergrund. Zum Ende hin lΓ€sst der Herr seine, dem geneigten UnterstΓΌtzer bereits bekannte, Klargesangsstimme erklingen. Erinnerungen an die mittlerweile mehr toten als lebendigen Menhir sind hierbei nicht von der Hand zu weisen. β€žDie Welten fallen nach und nach. RagnarΓΆk! Leben im letzten Hauch. Yggdrasil in Flammen. β€ž

Alles im Leben ist vorherbestimmt. Diese Aussage ist der textliche HauptaufhΓ€nger von β€žNornen Tonβ€œ. Das StΓΌck beginnt beeindruckend mit einer folkloristisch anmutenden Gitarrenmelodie. Diese erinnert entfernt an das Lied β€žA Touch Of Medieval Darknessβ€œ von Desaster. Aufgegriffen von Gitarrentremolo und Schlagwerk zieht sich diese Melodie geschickt variiert durch das gesamte StΓΌck. Die titelgebenden SchicksalsgΓΆttinnen weisen Dir den Weg, den Du noch nicht kennst, der aber unwiderruflich vorherbestimmt ist. β€žTanz zum Nornen Ton, wehr dich nicht. Lach dem Ende ins Gesicht… β€ž Auch dieses Lied ist wieder ΓΌberaus gelungen.

β€žTote singen keine Liederβ€œ besticht grâßtenteils durch Stakkato, variiert aber trotzdem im Tempo. Dies ist wieder gute Schwarzmetallkost ohne Wenn und Aber. Ein melancholischer Unterton durchzieht mittels Saiten nicht nur die Musik. Die Melancholie findet auch in der Lyrik ihren Ausdruck und verdeutlicht, dass der Tod das fΓΌr uns alle unausweichliche Ende bedeutet. β€žTote Augen weinen keine TrΓ€nen. Tote Augen sehen nichts. Tote Krieger kehren nie mehr wieder. Tote Krieger vergisst man nicht! β€ž

β€žIn den Krieg und nimmer zurΓΌckβ€œ greift das im Titel bereits genannte Thema erneut auf. Es wird gestorben nur fΓΌr den Sold. Ein Vater trauert um das Leben seines Sohnes, einer von zahlreichen Gefallenen, hoffend dass er nun in den Armen der WalkΓΌren einer besseren Zeit entgegen geht. Dieses Lied zΓ€hlt fΓΌr mich zum HΓΆhepunkt dieses Albums. Absolut hymnisch und auf seine Art eingΓ€ngig, mit einer nicht mehr aus dem Kopf gehenden Melodie, schwingt sich dieses Lied immer neuen HΓΆhen entgegen. Nach seinem KrΓ€chzgesang stimmt Nebelgeist einen zweistimmigen Klargesang an. Die KrΓΆnung erfolgt zum Schluss durch den wahrhaft wunderschΓΆnen weiblichen Gastgesang der Frau des GOSB-Mitglieds “Todfeind”. Ich bin wirklich restlos begeistert.

β€žDer Weg in die Schatten III (Wanderung) β€ž ist erneut sehr melodisch. Der Text wird durchweg von GastsΓ€nger Thulus, seines Zeichens SΓ€nger der Schweizer Truppen Asgard und GhΓΆrnt, mit heiserer Stimme interpretiert. Er ist daher nur schwer bis fast nicht zu verstehen, aber das zΓ€hlt nun einmal zum Ausdruck dieser Kunstform der Musik. β€žIch gehe diesen letzten Schritt, hinein, mit Lachen und TrΓ€nen im Gesicht.β€œ Die Worte eines Wanderers durch die Welten am Ende seines Weges.

Ein weiterer Gast (Grimwald von Wintarnaht, Isgalder und DauΓΎuz) ist gleich mit heroischem Tenor zu Beginn von β€žDer Weg in die Schatten IV (Leuchtturm) β€ž zu vernehmen. Dieser wechselt sich ab mit Nebelgeists bekanntem KrΓ€chzgesang. Das Tempo ist grâßtenteils von getragener Natur. Dem gegenΓΌber steht die vokale Aggression in Form des kurzzeitigen ekstatischen Geschreis von Grimwald, so wie man es von beispielsweise Wintarnaht kennt. Zum Schluss sind beide Musiker und eigentliche AlleingΓ€nger, im Duett zu hΓΆren. Der Klargesang vermittelt den Eindruck der rauhen See und das Sinnbild des Leuchtturms als Fels in der Brandung ΓΌberaus treffend. β€žTag um Tag, Nacht um Nacht, er das Leuchtfeuer bewacht. Gegerbt von salziger Gischt. Sturmwind und immer die Pflicht. Sieht hinaus, sah so manches und immer die Pflicht! β€ž

Eingeleitet mit dem KrΓ€chzen eines Raben fungiert als zweiminΓΌtiger Ausklang das abschließende Instrumental β€žLebt wohlβ€œ, welches ein letztes Mal die fΓΌr dieses Album typischen, leicht sΓ€genden Gitarren erklingen lΓ€sst.


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β€žAn den Toren von Krieg und Todβ€œ, das fΓΌnfte Vollwerk von Nebelgrund, ist ein durch und durch spannendes und abwechslungsreiches StΓΌck deutschen Schwarzmetalls geworden. Beeindruckend hierbei ist zudem das lyrische Talent von Nebelgeist. Erscheinen wird das gute StΓΌck im September diesen Jahres als CD, auf 50 StΓΌck limitierte Kassette und einige Monate spΓ€ter auch als Vinyl ΓΌber die noch relativ junge Plattenfirma “Journey To The End”. Zugreifen!

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