𝕲𝖊𝖗𝖒𝖆𝖓𝖎𝖙𝖆𝖘 𝕺𝖙𝖍𝖆𝖑𝖆 – „𝕾𝖐𝖆𝖑𝖉𝖊𝖓𝖘𝖆𝖓𝖌“ – 𝕰𝖝𝖙𝖊𝖗𝖓𝖊 𝕽𝖊𝖟𝖊𝖓𝖘𝖎𝖔𝖓


Es ist mir als Gastschreiber auf dieser Plattform eine ganz besondere Ehre, dass ich angefragt wurde, ob ich den ersten Gemeinschaftstonträger der Schwarzmetallbruderschaft Germanitas Othala besprechen möchte. (Anm. d. R.: 2. Gemeinschaftstonträger –  der erste unter Black Metal Germania)

Leider dauerte es bei mir aus privaten Gründen etwas länger aber, um eine alte Weisheit zu zitieren: „Was lange wärt, wird gut.“ Ganze 17 Stücke von 17 Interpreten, verteilt auf 2 CDs sind es geworden. Personell gibt es hier und da kleine Überschneidungen, was aber den Zusammenhalt im Untergrund, abseits der kommerziell orientierten Massenmedien nur noch bekräftigt.



Gespannt lege ich CD 1 ein. Eröffnet wird der Reigen von Ewige Eiche, einem noch relativ neuen Einmannprojekt aus Nordrhein-Westfalen. Ein Vollalbum und eine Gemeinschaftsproduktion stehen bereits auf der Habenseite. Geboten wird auf dem hier zu hörenden Stück „Spiegel der Tugend“ gutes Heidenmetall. Chöre, welche andere Stücke von Ewige Eiche untermalten, sind auch hier als Begleitelement zu hören. Das kurz nach Beginn allmählich einsetzende Schlagwerk scheint programmiert zu sein, fügt sich aber gut in das Gesamtbild ein. Lyrisch bringt der Protagonist Eichenmann seinen Stolz auf Herkunft und Heimat zum Ausdruck. Ein guter Auftakt.

Fortsetzung erfährt CD 1 von Ahnenerbe, dem heidnischen Schwarzmetallprojekt von Sigskald, von welchem vor nicht allzu langer Zeit das zweite Vollalbum „Sigvater“ erschienen ist. In diesem Fall erklingt allerdings eine Nachspielversion im Ohr der glücklichen Besitzer dieses Doppeltonträgers. „Germania Incognita“, im Original von von der Gothicformation Forthcoming Fire (deren Sänger Josef Klumb gründete später Von Thronstahl) kommt hier zu metallischen Ehren. Musikalisch überzeugend dargeboten, fällt lediglich der meiner Meinung nach etwas zu sehr in den Hintergrund gemischte Gesang negativ ins Gewicht. Aber da sämtliche Hörer sowieso das Beiheft zur Verfügung haben, steht einem Nachlesen des Textes nichts im Wege.

Es folgt Krematorium aus Kassel, welches wie die beiden vorangegangenen Formationen ein Einmannprojekt ist. Musikalisch ist der Liedbeitrag namens „Othala“ recht eingängig gehalten. Besungen wird die Heimatrune Othala, welche bekanntlich auch Teil des Namens der hinter diesem Tonträger stehenden Bruderschaft ist. Einheit und Zusammenhalt werden besungen. Leider gibt es in der sogenannten „Szene“ immer noch zu viele Spalter und Abzocker, welche einer Pestbeule gleich das sprichwörtliche Ende herbei führen könnten. Eine nicht näher genannte Plattenfirma kommt mir dabei als erstes in den Sinn. Doch noch ist es nicht zu spät, solange man solche Zeilen liest und auch das im Weltnetz veröffentlichte Zwiegespräch von Germanitas Othala mit dem Herrn Blutstahl anschaut.

Carpathian Wolves aus Aachen folgen mit dem Lied „Im Feuerschein“. Das Trio, welches sich offensichtlich nach dem ersten Vollalbum von Graveland benannt hat, lässt Schwarzmetall im getragenen Tempo erklingen. Gut verständlicher Gesang, etwas Choruntermalung im Hintergrund und leichte Temposchwankungen im Schlagwerk charakterisieren das Stück. Das erste Album „Ginnungagap“ ist seit Mai dieses Jahres zu haben.

Einer der Höhepunkte des ersten Silberlings ist „Der Narr“ des Einmannprojekts Nebelgrund aus dem Frankenland. Rau, gut gespielt und überzeugend kommt das Lied daher. Im Kehrreim ist zudem guter Klargesang zu hören, welcher zumindest mich etwas an Menhir erinnert. Besonders das aktuelle vierte Album „Rauhnachtsträume“ kann ich Jedem ans stolze Herz legen.

Ziemlich fett produziert, dröhnen Runenwacht mit „Odin mit uns“ aus den Lautsprechern. Das im schönen schwäbischen Städtchen Esslingen beheimatete Duo um Chefdenker Rex verfügt nach sechs Alben und zahlreichen Konzerten über jede Menge Studio- und Bühnenerfahrung und das hört man deutlich. Der seit zwei Jahren am Schlagzeug sitzende Werwolf bringt nochmal eine Extraportion Virtuosität mit ins Spiel, großartig.

Der mit Abstand älteste Künstler auf dieser Zusammenstellung ist Skatval mit seinem bereits seit 1999 existenten Projekt Nordreich. Das Lied „Yr waltet im Wahn des Zeitgeists“ vereint alle klanglichen Stärken, für die Nordreich bekannt ist. Melodische, gut gespielte Gitarren und Bässe und ein sich gut ins Klangbild fügendes Schlagwerk. Ich finde es grandios, dass Nordreich hierauf mit vertreten ist. Bitte schaut in den einschlägigen Netzläden nach den neueren und den neu aufgelegten älteren Alben von Nordreich. Es lohnt sich.

Den Abschluss von CD 1 bilden Sigskald zusammen mit seinem Mitmusiker und Mitstreiter Hildulf, mit dem dem deutschen Schriftsteller Felix Dahn entlehnten Stück „Volkshort der Germanen“. Der Text ist im Original noch um ein paar Verse länger, nennt sich dort „Wunschhort der Germanen“ und ist der Gedichtesammlung „Vaterland“ entnommen. Musikalisch zu Ahnenerbe völlig divergent, wird uns hier, wie auch auf anderen unter dem Banner Sigskald erhältlichen Tonträgern heidnische Folklore dargeboten. Besonders prägnant hierbei ist der Einsatz der Taglharpa, einer vornehmlich im skandinavischen Raum verwendeten Leier. Trommeln, Klanghölzer, sowie eine zwischen Rezitativ und heroischem Klargesang pendelnde Darbietung runden das Ganze ab. Rein musikalisch fällt dieses Stück somit sehr aus dem Rahmen.


Tonträger Nr. 2 wird eröffnet durch einen der wenigen englischsprachigen Beiträge in Form von Ashtavakra. „Dying Among The Ordinary“ tönt recht melodisch aus den Boxen. Es beginnt schleppend, nur um kurz darauf im Tempo anzuziehen. Das Stück besitzt eine regelrecht warme Klangfarbe, wenn ich das mal so formulieren darf. Das Projekt um den freigeistig denkenden und lebenden Nebo, welcher auch bei Transzendenz aktiv ist, verdient deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Als nächstes macht das bayrische Einmannprojekt Elendig mit dem alles andere als subtil getexteten „Fuck Fake Friends“ unmissverständlich klar, dass Selbige, achtung Wortwitz, elendig zugrunde gehen sollen. Der bühnentechnisch, auch bei Carpathian Wolves, aktive Zwiespalt liefert hier ordentlich ab und klingt so richtig angepisst. Musikalisch ist das Ganze recht simpel dargeboten.

Kriegerisches Schwarzmetall bietet uns das Duo Feldgrau (Mittlerweile Einmannprojekt). Ravager und Great Warmaster lärmen in „Sturmbataillon“ ordentlich böse und räudig durch die Schützengräben und machen dabei keinerlei Gefangene. Ihre Debüt-EP „Feuer und Blut“ wurde auf dieser Plattform vor einiger Zeit bereits besprochen. Empfehlenswert.

Gräul, das andere Projekt von Nebelgeist bietet rauere Töne als die weiter oben besprochenen Nebelgrund. Gute Schwarzkost, welche auf Englisch dargeboten wird, gibt es hier auf die Ohren. Als Tonträger ist bislang nur ein Demo erhältlich.

Ruhmreich eröffnen uns, dass „Der dritte Weltkrieg“, so das hier zu hörende Lied, keine bloße Utopie ist. Gut gespielt und ebenso produziert, bietet das Stück damit einen krassen Kontrast zum vorherigen Beitrag von Gräul. Die Stimme ist tief, wie man es von den bisherigen Tonträgern des vaterländischen Duos kennt. Willkommen zurück.

Das mir bislang unbekannte Einmannprojekt Totensturm aus Frankfurt am Main bietet mit „Pestgeweiht“ ein wirklich überzeugendes Stück Schwarzmetall. Speziell die Spielart der Gitarren erinnert ein ums andere Mal, an die mehr als bekannten Mgla aus Polen. Sehr gut. Ich hoffe, dass der im März dieses Jahres erschienene Langspieler „Widerkläger“ in absehbarer Zeit in physischem Format erscheinen wird. Danke Abdiroth.

Wolfshammer aus Niedersachsen waren mir bislang ebenfalls noch kein Begriff. „Servants Of Eternal Darkness“ ist, wie ich mittels Recherche erfuhr, das erste Stück in englischer Sprache. Musikalisch ist das Ganze leider noch ausbaufähig, gerade was das Zusammenspiel der Instrumente betrifft. Das Lied wechselt zwischen schnellem und mittlerem Tempo hin und her und ist mit dem, im Schwarzmetall oft zu hörenden, Hall unterlegten, Geschrei versehen.

Von anderem Schrot und Korn sind da schon Wurzelkraft aus Bayern. Der Hauptstreiter „Pestilenz“, welcher auch bei Runenblut zugange ist, kooperiert in dem hier dargebotenen Stück „Parasit“ mit Skatval von Nordreich, was man insbesondere im Klang des Schlagwerk deutlich heraus hört. Textlich wird hier gnadenlos mit Mitläufern, Stammtischkämpfern und Internetkriegern abgerechnet.

Beschlossen wird dieser opulente Gemeinschaftstonträger von Ysbryd, dem im Untergrund beliebten Projekt von Tausendsassa „Gestalt“. Hier zu hören ist das Stück „In unitate firmitas“ (auf deutsch „In der Einigkeit liegt die Stärke“ – Leitspruch von GOSB). Der Herr ist neben unzähligen anderen Gruppen und Projekten, unter anderem auch bei den großartigen Blodsvart aktiv. So beweist er auch in dem hier zu hörenden Lied sein ganzes Können. Er bringt uns musikalisch nochmals dazu, die Lauscher aufzusperren und appelliert rein lyrisch an Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn, ganz dem in Latein gehaltenen Motto. Dies ist ein würdiger Abschluss einer interessanten und abwechslungsreichem Zusammenstellung.


Abgerundet wird der auf 200 Exemplare limitierte Doppeltonträger von einem zwanzigseitigen Beiheft, in welchem jedem Interpreten eine Seite gewidmet mit Bild und / oder Text gewidmet wurde. Todfeind Medien und Germanitas Othala haben hier weder Kosten noch Mühen gescheut, um dem geneigten Hörer etwas für das hart erarbeitete Geld zu bieten. Ihre zahlreichen guten Kontakte zu Musikern und Plattenfirmen waren dabei sicherlich von Vorteil.

Zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen ist der Tonträger schon einige Zeit ausverkauft. Aber vielleicht gibt es ja für zu spät Gekommene in absehbarer Zeit noch eine zweite Chance.

Zum Abschluss möchte ich mich nochmals bedanken, dass mir als Außenstehender die Möglichkeit geboten wurde, diese Zusammenstellung zu besprechen. Außerdem sei an dieser Stelle noch einmal auf die Exklusivität sämtlicher Stücke hingewiesen. Es war mir eine Ehre. – Bragi


𝕽𝖊𝖟𝖊𝖓𝖘𝖎𝖔𝖓: 𝕭𝖗𝖆𝖌𝖎 (𝖊𝖝𝖙𝖊𝖗𝖓𝖊𝖗 𝕾𝖈𝖍𝖗𝖊𝖎𝖇𝖊𝖗)
𝖋𝖚̈𝖗 𝕲.𝕺.𝕾.𝕭. 𝟐𝟎𝟐𝟐