𝕾𝖈𝖍𝖆𝖙𝖙𝖊𝖓𝖋𝖆𝖓𝖌 – 𝖅𝖜𝖎𝖊𝖌𝖊𝖘𝖕𝖗𝖆𝖊𝖈𝖍

Wir haben heute die Ehre, uns mit „Invidia“, dem Kopf hinter Schattenfang zu unterhalten und wollen ihm auf diesem Wege, die ein oder andere Antwort entlocken. Schattenfang eine Schwarzmetallkapelle, die seit 2010 präsent ist, seither einiges an Veröffentlichungen vorzuweisen hat und im thüringischen Erfurt angesiedelt ist. Für deine Zeit, erst einmal vielen Dank. Ohne Umschweife möchten wir natürlich gleich die wichtigsten Fragen klären.


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Schattenfang, interessanter Name für eine Schwarzmetallkapelle, vor allem aus dem Raum Thüringen. Was steckt hinter dem Namen, was bedeutet er für dich/euch und welche Botschaft soll er dem Hörer vermitteln?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Der Name steht für die Dualität des Daseins und des Menschen, in welchem stets Licht und Schatten – das Gute sowie das Böse existieren und das Eine ohne das Andere nie existieren kann, eben sowenig, wie man seinen Schatten je einholen werden können wird.


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Die „Encyclopedia Metallum“ lässt verlauten, dass es Schattenfang bereits seit 2010 gibt, seither folgten einige Veröffentlichungen. Anfangs eher im rohen/depressiven Bereich angesiedelt, was ist dann passiert? Wie kam es zur neuen thematischen Auslegung?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Nun, diese Entwicklung liegt zum einem dem Fakt zugrunde, dass um mich herum die Besetzung aus vielerlei Gründen relativ häufig fluktuierte und weniger fähige Mitmusiker, nicht ihres Könnens, wohl aber aus persönlichen Gründen, durch glückliche Fügungen durch durchaus talentiertere und erfahrenere Mitstreiter ausgetauscht wurden und man selbst natürlich über die Jahre einiges an Spielfertigkeiten dazugewinnen konnte. Zum anderen veränderte sich die grundlegende Auslegung nicht, ich konnte nur über die Jahre meine Visionen und Ideen mehr einbringen. Betrachtet man sich das Erstlingswerk, so entspringt lediglich „Des Herbstes Schatten“ meiner Feder und dieser Titel ging schon mit den damals zugegeben noch recht eingeschränkten Fertigkeiten in die Marschrichtung des aktuelleren Materials.

Hinzu kommt, dass die eigenen Hörgewohnheiten sich über das Jahrzehnt verteilt wenn schon nur ein wenig verändert, doch zumindest breiter gefächert haben, sodass man viel mehr Eindrücke verarbeitet und in die eigenen Werke verweben kann.


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Du beziehungsweise ihr verarbeitet oft persönliche Umstände, um welche Probleme oder Lebenslagen handelt es sich hierbei in den meisten Fällen? Sind die verarbeiteten Inhalte eher dein Werk oder steuern die restlichen Protagonisten ebenfalls ihren Teil dazu bei?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

In der Tat stammt mittlerweile ein Großteil aus meiner Feder, da die letzten Jahre auf persönlicher Ebene eher einem Grabenkrieg gleichen und aus diesem Impuls und in diesen Situationen heraus bringe ich stets als quasi Notwehr-Reaktion, eben viel zu Papier.

Waren die Demo und das Debütalbum, thematisch noch recht breit gefächert und erzählten einzelne Momentaufnahmen verschiedenster menschlicher Abgründe (im Detail Vergewaltigung, Selbstjustiz, einen Amoklauf, den Heldentod und die Aufzehrung durch Liebe), erzählt das Konzeptalbum „Ex Cineribus“, wie an anderen Stellen schon ausführlicher in der Vergangenheit berichtet, auf der ersten Ebene zwar die Geschichte eines kriegsversehrten Heimkehrers nach der Schlacht bei Tannenberg 1914 und seinen fortlaufenden seelischen Verfall, doch auf anderen Ebenen dann eben auch sehr persönliche Begebenheiten, die nur Leute herauslesen können, welche mich oder die Geschehnisse um mich zwischen den Jahren 2014 bis 2017 miterlebten. Doch hier sei auch erwähnt, dass Arhymanoth sich gut in die Geschichte eindenken- und fühlen konnte und bis auf den Endteil den Text zu „Am Ende des Schweigens“ einbrachte.

Die quasi Kurzgeschichte in vier Akten, welche auf der Blutpakt-Split erzählt wird, ist ebenfalls eine zu Papier geblutete Reflektion von Erlebten. In diesem Falle hat jedoch unser aktueller Frontmann ebenfalls durch die selben Erfahrungen seinen Teil in Form des Textes zu „Rachegeist“ beigesteuert.

Ein Jeder aus dem Trupp kann stets Ideen und Texte in die Runde werfen, nur wird schon vorab vieles in Nebenprojekten verarbeitet.

Man kann zusammenfassen, dass die Werke für mich persönlich wie Tagebücher und Epitaphe dienen.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Wo wir gerade beim Thema „beisteuern“ sind, wer schreibt denn die Melodien, stammen diese auch eher aus deiner Feder oder wird hier experimentell gearbeitet und alle leisten ihre Zuarbeit?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Da ich leider nicht befähigt bin, meine Ideen selbst effizient in Tonform zu bringen bedarf es immer Mitstreiter, die meine Visionen und die der anderen verstehen und aus diesen Klangfragmenten und Ideenfetzen dann in der Runde, gemeinsam aus dem Chaos, Struktur erschaffen. In der Vergangenheit bildeten „Arhymanoth“ und „Nebel“ eine wundervoll symbiotische Einheit beim Melodienschreiben und zuletzt entstand ja aus der Kooperation mit „Lord Mantus“, dem Kopf hinter „Throne Ov Shiva“, dass kürzlich erschienene Stück „Das Meer in uns“, mit welchem ich ähnlich gut zusammenarbeiten konnte.

Für das restliche Werk „Perdurabo“, welches im Moment entsteht, leisten alle vier derzeitigen Mitglieder bestmöglich ihnen Beitrag und bringen an die bisher entstandenen Klangkonstruktionen Ideen an, bis alle damit zufrieden sind.


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Ein Großteil der heutigen Mitspieler bei Schattenfang, war offiziell wohl anfangs nicht mit dabei. Wie lief in dieser Zeit der Schaffensprozess ab? Gab es Gastmusiker oder wurden hier alle Stücke eigenständig kreiert und erarbeitet?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Es sei erwähnt, dass es noch nie wirklich ein Einmann-Projekt war. Ich wurde damals angeheuert, als der Trupp sich erst seit ein paar Monaten zusammengefunden hatte, sich noch „Waldhall“ nannte und bisher nur zwei Titel zustande gebracht hatte. Kurz darauf begann erst die Reformation. Anfänglich wurde alles stets im Proberaum ausgelotet, später verlagerte sich die Ideenfindung auf das heimische Gefilde und der Arbeit mit diversen Musikprogrammen, mit welchen dann die groben Gerüste erschaffen und untereinander ausgetauscht wurden.

Wie oben bereits erwähnt, steuerte ich selbst in den Anfangsjahren ja auch nur einen Titel bei. Allgemein lief und läuft es zumeist, egal in welcher Epoche der Band, so ab, dass eine Kernidee des Albums aufgrund der Tendenz der zuletzt entstandenen Texte besteht, und sich dann um dieses Konzept herum, langsam der rote Faden spinnt und von allen beteiligten Ideen zur musikalischen Gestaltung zusammengetragen werden.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Kommen wir gleich überleitend zum musikalischen Aspekt. Seid ihr mit allen bisherigen Veröffentlichungen zufrieden oder gibt es ein Werk (oder gar zwei), bei denen ihr nach der Herausgabe und aus heutiger Sicht, etwas anders gemacht hättet?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Nach vielmaligem Hören kommen einen nach Jahren immer noch mal wieder Ideen auf, wo man was hätte anders machen können, aber im Groben würde ich keines der Werke zur Gänze verleugnen. Selbstverständlich hat man sich über die letzte Dekade spieltechnisch und songstrukturell verbessert, sodass ich heute bei allen Alben irgendetwas anders gemacht hätte.

So stand auch im Raum, dass man eventuell nochmal die „Abgründe“ zum Jubiläum gänzlich neu einspielt, da abgesehen von spielerischen Defiziten die Abmischung echt nicht gut war. Diese Idee wurde jedoch dann aus organisatorischen Gründen verworfen. Ebenso waren die Aufnahmesituationen der Ex Cineribus seinerzeit zum Teil suboptimal und man könnte es mit dem heutigen Wissensstand aufwerten. Im Endeffekt sehe ich jedoch die einzelnen Werke als Entwicklungsschritte und Momentaufnahmen und solange eine Steigerung ersichtlich ist, dürfen die ersten Gehversuche auch noch gern etwas holprig sein.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Inwieweit seid ihr mit eurer bisherigen Aufstellung, dem Label und vor allem euren Zuhörern zufrieden? Könnte da mehr sein, geht es euch letztlich nur um die Musik?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Seit dem letzten Wiederaufflammen der Aktivitäten 2017 sind wir bei Northern Fog Records und sind damit bisher doch recht zufrieden. Die großen Live-Abstinenzen in Kombination mit einigen an dieser Stelle nicht mehr weiter erwähnenswerten ungünstigen Begebenheiten, haben eine gewisse Kontinuität mitunter schwierig gemacht, insofern kann ich zur Hörerschaft relativ wenig sagen. Ich bin erfreut über jeden, der Interesse hat und sich in den Erzählungen auch irgendwie widerspiegeln kann, gerade über jene, die uns wirklich seit den Anfangstagen begleiten und verfolgen. Mit dem kommenden Album kann man zu allen Problematiken jedoch hoffentlich wieder etwas Abhilfe schaffen (und vielleicht wird dieses Mal ja auch eine Vinyl-Edition verfügbar sein) .

Wir sind froh, in keinem Knebelvertrag zu stecken und die Werke, die Entstehungszeit bekommen, die sie eben benötigen, sodass nicht die Gefahr besteht, dass aus der Not heraus halbgare oder gar Retortentitel herausgeschleudert werden, die man dann mit billigsten Plattitüden oder gar Werbungen unters Volk zu bringen versucht.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Soweit wir euren bisherigen Veröffentlichungen entnehmen können, ist das Thema Politik bisher nirgends aufgetaucht. Spielt Diese keine Rolle in der Verarbeitung eurer Texte oder wollt ihr das Thema einfach meiden?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Im Prinzip wurden schon Themenbereiche behandelt, die in dieses Spektrum interpretierbar fallen würden, jedoch spielt das Thema im Konzept des Projektes absolut keine Rolle, da es das Menschsein auf das essentielle herunterbricht.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Apropos Politik, wie empfindest du die derzeitige Entwicklung der Schwarzmetalllandschaft? Gibt es da Auswüchse, die dir missfallen oder ist das alles irrelevant?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Persönlich fühlt es sich eher so an, als wenn sämtliche eigenartigen Auswüchse sich zum Teil auch aufgrund der derzeitigen weltweiten Lage selbst wieder vertilgen, sich gar gegenseitig zerfetzen und in der Unbedeutsamkeit verschwinden würden. Das fängt bei vermeintlichen „Fans“ und Szenegängern an, geht über Bands bis hin zu Lokalitäten. Dies funktionierte ja seit den Achtzigern schon mal schneller, mal schleichender gut, aber im Kern ist der Selbstreinigungsprozess der Szene stets recht erfreulich mit anzusehen.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Mal abgesehen von dem derzeitigen Corona Blödsinn, gibt es Pläne für Auftritte in naher/ferner Zukunft?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Ein sehr ärgerliches Thema. Im vergangenen Jahr sind 5 Termine ausgefallen und in diesem Jahr bisher drei, zwei weitere hängen noch im Ungewissen, werden aber vermutlich auch weiterhin verschoben. Das ist gerade deshalb ärgerlich, da man, als die ganzen Repressionen gerade begannen, eine kleine Tour mit den Mitstreitern der letzten Split sowie einen Jubiläumsgig zum zehnjährigen Bestehen plante. Aber das wird wohl alles noch in weitere Ferne rücken müssen, wenn man sich die Prognosen ansieht.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Wo würdet ihr am liebsten einmal live spielen wollen oder ist das, mal abgesehen vom aktuellen Zustand, zukünftig eher uninteressant?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Gern würde man auch mal auf der Bühne des UTBS oder des Barthers stehen, doch im Prinzip ist mir persönlich jede Lokalität recht, in der das Publikum des musikalischen Interesses wegen erscheint und man nicht vor Konzertbeginn eine Liste mit Restriktionen in die Hand bekommt, was man alles aus gewissen Gründen nicht dürfe und vermeiden sollte.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Wie steht es um kommende Werke, was ist geplant, was bereits in der Mache und auf was können sich eure Zuhörer künftig einstellen?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Wie an oberen Stellen schon vermehrt angemerkt, entsteht gerade ein neues Voll-Album mit dem Namen „Perdurabo“, (=„Ich werde ausharren bis zum Ende“), welches die jüngsten Episoden und Ereignisse aufarbeitet. Aufgrund der räumlichen, derzeit beschwerlich zu überbrückenden Distanzen zwischen Erfurt und Magdeburg verlaufen die Arbeiten zwar etwas langsamer als ursprünglich geplant, es besteht jedoch keinesfalls ein Stillstand. Zum jetzigen Zeitpunkt existieren neben dem kürzlich als Vorschau veröffentlichtem Stück „Das Meer in uns“, was im übrigen in Kooperation mit „Lord Mantus“ von „Throne Ov Shiva“ entstand, noch zwei quasi fertig komponierte Instrumentalstücke, acht konzeptionierte Texte und wie üblich ein Berg voller Riff-Ideen.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Gibt es persönliche Wünsche, bezüglich Schattenfang oder generell der weiteren musikalischen Laufbahn?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Lux In Tenebris – Auf die nächsten zehn Jahre. Es wird in jedem Falle unter diesem Banner allen Anfeindungen der Vergangenheit zum Trotze weiter gehen, im Gegensatz zu manch anderen alten Weggefährten die eine handvoll Projekte parallel halbherzig führen und diese dann wortlos im Rauch der Zeit versanden lassen und im stillen auflösen.


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Du sprichst gerade das Thema „Anfeindungen“ an, magst du das näher erläutern und vor allem, inwiefern hat euch dieser Umstand zusammengeschweißt oder eher getrennt (je nach dem)?

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Da gab es gerade in den Anfangsjahren eine Menge, bei einigen bin ich ehrlich gesagt eher froh darüber, dass sie in Vergessenheit gerieten. Das fing bei der ungerechtfertigten Großmäuligkeit ehemaliger Mitstreiter an, ging über persönliche Anfeindungen aufgrund des Faktes, dass man mit Band XY die Bühne teilte, bis hin zu Versuchen einen durch billige Provokationen in Titeln und Videos zu diskreditieren. Nichts von diesem Gewürm hat jedoch dadurch eine Reaktion verdient.


𝕲.𝕺.𝕾.𝕭.:

Die letzten und abschließenden Worte gebühren dir. Vielen Dank für die ehrlichen Auskünfte, deine Zeit und generell für das Zwiegespräch. Wir wünschen Schattenfang einen weiterhin guten Erfolg, Kreativität und gute Ideen! Die letzten Worte seien dir gegönnt.

𝕴𝖓𝖛𝖎𝖉𝖎𝖆:

Ich danke dir, euch und allen die bis an diese Stelle mitlasen ebenfalls für die Aufmerksamkeit.

 

Schattenfang im Netz [HIER]

Musikalischer Einblick:

Bilder: Schattenfang (jeweilige Fotografen)

Zwiegespräch geführt mit: Todfeind