π•Ήπ–Šπ–‡π–Šπ–‘π–œπ–Žπ–“π–‰ – „π•½π–šπ–Žπ–“π–Šπ–““ – π•½π–Šπ–Ÿπ–Šπ–“π–˜π–Žπ–”π–“

Nebelwind, eine Zweimanntonschmiede aus Dresden (Sachsen), welche offiziell und nach eigenen Angaben bereits seit 2013 besteht. Die ersten VerΓΆffentlichungen in Form von EPs, erfolgten im Jahr 2018, gleich dreimal.
Im April 2020 erschien dann, ΓΌber „Wolfmond Production“, der erste vollwertige Langspieler mit dem Namen „Ruinen“.Β  Diesem werde ich mich heute ausfΓΌhrlich widmen und so, dem ein oder anderen HΓΆrer, Nebelwind hoffentlich etwas nΓ€her bringen kΓΆnnen. Ob das Vollwerk mit den vorangegangenen EPs mithalten kann, werden folgende Zeilen nΓ€her beleuchten.


„Ruinen“ liegt mir als Digipack vor, grafisch eher schlicht gehalten, so wie man es von den vorherigen Werken gewohnt ist. Ein zehnseitiges Beiheft liefert die passenden lyrischen Abdrucke, sodass man beim HΓΆren inhaltlich nachvollziehen kann, was Nebelwind vermitteln wollen. Die Gesamtspieldauer belΓ€uft sich auf knapp 45 Minuten und liegt somit im guten Durchschnitt, der meisten Alben dieser Tage.



Neun Titel, die alle eine beachtliche LΓ€nge aufweisen, finden den Weg in mein GehΓΆr, beginnend mit dem Titel „Abbilder in schwarzweiß“.
Ich werde beinahe behutsam an das erste TonstΓΌck herangefΓΌhrt, mit mystischen GitarrenklΓ€ngen und einer Art ErzΓ€hlerstimme, die dann durchbrochen wird. Es folgt treibender, melancholischer Klang, finster und im steten Wechsel zwischen harschen Schlagwerksegmenten, die stellenweise immer wieder etwas ausbremsen. Dazu diese krΓ€chzend, fast leidende Stimme. HΓΆrbar ist das wohl der typische Nebelwindstil, der zum GlΓΌck beibehalten wurde.

Ich muss zugeben, bis vor wenigen Wochen, lediglich namentlich von dieser Formation gehΓΆrt zu haben. Jetzt, nach dem ich mich mehrere Tage intensiv mit den Werken Nebelwinds auseinandergesetzt habe, wundere ich mich, dass ich hier nicht schon viel frΓΌher Interesse daran gefunden habe. Die gesamte Stilrichtung ist sehr dΓΌster, ob auf den Eps oder jetzt auf „Ruinen“. Ein abgrundtief bΓΆsartiges Werk, nicht des Inhalts wegen, sondern der Klangkulisse und des Gesangs geschuldet.

„Von Wehmut und stiller Klage“ setzt das Prozedere fort, das Tempo wird stellenweise etwas angehoben um im nΓ€chsten Moment wieder abzubremsen.
Feinste Gitarrenvariationen, die von spielerischer Finesse nur so strotzen – leider aber etwas zu sehr im Hintergrund verschwinden – gepaart und perfekt kombiniert mit dem Γ€chzendem Auswurf der Stimme, die hier von „KΓΆdarnyek“ geliefert wird. Inhaltlich passt das StΓΌck hervorragend in die Zeit der VerΓΆffentlichung, so ist es doch eine Mahnung, ein Aufruf, eine Kritik, an den derzeitigen ZustΓ€nden. Die dazugehΓΆrige Blindheit und Ignoranz, die diesen Zeiten das Γ–l zur Flamme bietet.

Titel drei im Bunde, mit dem Namen „Schattenbrandung“ fΓΌgt sich nahtlos in das vorherige Geschehen ein, fΓ€llt jedoch mit der tiefen Hintergrundstimme deutlich ins Gewicht. Hier wird eine herrlich dystopische Stimmung erzeugt. „Apocaleon“, der Gitarrist der Zweimannschmiede, bietet absoluten und abwechslungsreichen Tiefgang. Kein Titel gleicht dem anderen. Wenn man denkt, dΓΌsterer kann es eigentlich kaum noch werden, folgt der nΓ€chste Titel.

Das Namensgebende StΓΌck „Ruinen“ fΓΆrdert eine beachtliche ErzΓ€hlweise zu Tage. So simpel und selbsterklΓ€rend der Text, samt Titel letztlich ist, desto kreativer wurde er in Szene gesetzt. An so manchen Stellen erkenne ich Γ€ltere Werke andere Protagonisten. So richtig festlegen, wem es denn jetzt am Γ€hnlichsten ist, kann ich mich jedoch nicht. Nebelwind bietet ein breites Spektrum an tiefgreifenden Inhalten und spielerischer Vielfalt. Ein bisschen Camulos, ein bisschen Dunkelgrafen, jedoch absolut eigenstΓ€ndig.

Da ich nicht jeden Titel einzeln analysieren mΓΆchte, denn somit wΓΌrde ich den lesbaren Rahmen deutlich sprengen, gehe ich im Weiteren auf einzelne Aspekte der noch folgenden StΓΌcke ein.
Gerade „Im Schatten der Sonne“ ist so ein Vergleichsexemplar, dass insbesondere durch die tiefe Stimme an „Oris Diabolis“ von Dunkelgrafen erinnert. Mit dem Unterschied, dass im vorliegenden StΓΌck von Nebelwind mehr spielerische Abwechslung zu Gegen ist.
Ich kann mich, beim besten Willen, auf kein einzelnes Lied auf diesem Album festlegen, bei dem ich sagen wΓΌrde: „Ja, das ist das Beste!“ Das Gesamtpaket ist so rundum, nahezu perfekt inszeniert, dass mir wirklich alle Titel Γ€ußerst zusagen. Sicher, es gibt immer mal Stellen, die mir besser oder entsprechend weniger gut gefallen, jedoch sind die TonstΓΌcke als Ganzes einfach ein Genuss.

Fakt ist, man muss auf diese melancholische, dystopisch-dΓΌstere Art stehen, fΓΌr manche kΓΆnnte das etwas zu „tief“ gehen, fΓΌr wieder andere ist der Gesang vielleicht nicht das, was sie erwarten. FΓΌr mich, und das ist ja Teil einer solchen Rezension, bietet „Ruinen“ ein vollumfΓ€ngliches, gelungenes, musikalisches Erlebnis.

Den Abschluss ΓΌbernimmt „Der Weg ins Nichts“ und beendet inhaltlich und hΓΆrbar, ein mehr als gut durchdachtes Konzept. Man kΓΆnnte „Ruinen“ als Buch betrachten und ebenso wie „Abbilder in schwarzweiß“ begann, endet es mit eben erwΓ€hntem StΓΌck, auf fast die gleiche Weise.


π•±π–†π–Ÿπ–Žπ–™:

Nebelwind, eine fΓΌr viele sicher eher unbekannte Truppe, die mit ihren Eps und diesem ersten Vollwerk, bisher großartige musikalische Leistung darboten. Warum auch immer sie eher untergingen, bleibt wohl eine offene Frage, diese soll allerdings hier und heute ein Ende finden, denn – Ich lege wirklich jedem, der mit dieser Art Schwarzmetall etwas anzufangen weiß, Nebelwind und „Ruinen“ wirklich ans Herz! Mich haben die vergangenen 45 Minuten außerordentlich mitgenommen, musikalisch, inhaltlich – rundherum!

Titelliste, Ruinen – Der Verfall des Seins und die Angst vor dem Vergessen:
1. Abbilder in schwarzweiß
2. Von Wehmut und stiller Klage
3. Schattenbrandung
4. Wenn der Tod das Leben kΓΌsst
5. Ruinen
6. Im Schatten der Sonne
7. Erinnerungen
8. Was bleibt
9. Der Weg ins Nichts

Nebelwind auf Facebook [hier klicken]
Nebelwind auf Bandcamp [Hier klicken]

Rezension: Todfeind
Bilder: Nebelwind