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Primaire und Helsang, zwei deutsche Kapellen, deren Mitstreiter schon einige Jahre im musikalischen Treiben fest verankert sind. Auf diesem Zweiteiler, -pΓΌnktlich zur Jesu‘ Geburt- verΓΆffentlicht, fanden sie sich zusammen und boten uns ein vierzigminΓΌtiges Spektakel, das auf den Namen „Anti“ hΓΆrt und somit bereits verdeutlicht, wohin thematisch die Reise geht. Alles Weitere beleuchte ich in den kommenden Zeilen.


Primaire, eine Augsburger Kapelle, die wohl zu Beginn ein Einzelprojekt von „Gestalt“ werden sollte, nun aber vier weitere Musiker beinhaltet. Bereits 2018 verΓΆffentlichten die Dame und drei Mannen ein Album mit dem Namen „Exitium“. Ich muss an dieser Stelle aber einrΓ€umen, die Truppe vor der aktuellen Split nie gehΓΆrt zu haben. Ich betrete also in Sachen Primaire absolutes Neuland.

Die Augsburger belegen den ersten Teil dieser Split und sind, ebenso wie Helsang , mit vier StΓΌcken vertreten. Die musikalische Darbietung ist auf englisch gehalten und, jetzt greife ich etwas vorweg – hat einen unfassbar intensiven Stil!

Konkret heißt das, hier wird gezielt auf AtmosphΓ€re gesetzt, nicht allein durch die betont hohen und kreischenden Gitarren oder den, doch rabiaten schnellen Klang des Schlagzeuges, vielmehr ist es der Gesang, der einem die Nackenhaare aufstellt. Beginnend mit dem Titel „Lost Roots“, welcher bereits ΓΌber fΓΌnf Minuten fΓΌllt, war ich fast schon ΓΌberzeugt und wusste, die Seite lohnt sich. Schnell, im klassischer Schwarzmetallgewand, mΓΆchte man sagen, mit kleineren und sehr stimmungsvollen Tempobremsen.

Diese sind bewusst eingesetzt und werden stimmlich hervorgehoben. Ich ΓΌberlege seit drei Liedern, mit welcher Band ich das vergleichen kann, dann fΓ€llt es mir ein: Malevolent Creation (zumindest das Eternal Album) und eine kleine Mischung Insane Vesper. WΓΌrde man den Klang und die Stimmung beider Truppen in einen Topf werfen und eine Prise Augsburger dazugeben, hΓ€tte man vermutlich Primaire. Der Vergleich hinkt an vielen Ecken, da Primaire natΓΌrlich etwas vΓΆllig EigenstΓ€ndiges kreiert haben. Ich bin schon wieder, wΓ€hrend ich diese Zeilen verfasse, mit dem ersten Teil durch und beginne umgehend von vorn.

Die einzelnen Titel unterscheiden sich im wesentlichen nur durch Dauer, Riffs und Texte. Die kalte Stimmung zieht sich durch alle vier TonstΓΌcke, was mich wirklich beeindruckt und fesselt. Was mir besonders gut ins Ohr geht sind neben der Musik, die zwei unterschiedlichen Stimmen, wobei mir hier die tiefere am besten gefΓ€llt. Hinzu kommt, dass der Rhythmus und die dazugehΓΆrige akustische Auslegung immer perfekt ineinander greifen.

Titel:
1. Lost Roots
2. Old Enemy
3. Ave Pestilentia
4. I See The World Through Dead Eyes


Helsang, das Einmannprojekt aus (Nord)-Hessen (Ja, die Hessen bestehen auf ihre Himmelsrichtungen). Wobei, „Einmann“ nur halbrichtig ist, denn „Schattenwesen“ holte sich, vor nicht allzu langer Zeit weibliche VerstΓ€rkung ans Schlagwerk. Astrega, die Dame am Schlagzeug spielte bereits in einigen anderen namhaften Kapellen. Auf dem vorliegenden Zweiteiler spielte jedoch „Gestalt“ die Tonspuren des Schlagzeuges ein. Gestalt ist ebenfalls Gitarrist bei Primaire, man erkennt demnach die gute Zusammenarbeit beider Tonschmiede untereinander. Helsang existiert seit 2014 und brachte im Jahr 2019 eine weitere Split mit Nebelgrund und Ysbryd (ebenfalls ein Projekt von „Gestalt“) auf den Markt. Auch hier herrscht meinerseits musikalisch wenig Vorerfahrung, den ein oder anderen Titel kannte ich selbstverstΓ€ndlich, wirklich intensiv gehΓΆrt habe ich es jedoch erst jetzt.

Insofern ließ ich Helsang einige male auf mich wirken um mir musikalisch ein Bild zu verschaffen. In einigen privaten GesprΓ€chen mit „Schattenwesen“ wurde die Arbeit an diesem Zweiteiler schon ausreichend diskutiert und analysiert.

Die Schaffenszeit liegt einige Zeit zurΓΌck und so ist es kaum verwunderlich, dass sich nachfolgende Werke qualitativ stetig verbessern, darum soll es aber hier vorerst nicht gehen. Helsang ist ebenfalls mit vier Titeln vertreten und bewegt sich thematisch im Bereich der nordischen Mythologie, was beim gewΓ€hlten Bandnamen aber vorauszusetzen war.

Die Einleitung ΓΌbernimmt „Heimdalls Ruf“ und ist ein rein instrumentales StΓΌck, welches mit beinahe lieblichen KlΓ€ngen eine gewisse Vorstimmung erzeugt.
Direkt im Anschluss erΓΆffnet Helsang dann mit „RagnarΓΆk“ sein eigentliches Schaffen. Rohe, kalte AtmosphΓ€re, die sehr an frΓΌhe Werke der zweiten Black Metal Welle erinnert. Wechselnder Rhythmus, gepaart mit einer unverkennbaren Stimme und gezielt thematischer Ausrichtung, erschafft einen herrlichen Gegenpart zur Vorband. Der stellenweise sehr rΓ€udige Klang untermauert das Ziel, sich an alte Werke anzulehnen.

Technisch Àußerst versiert, vergehen auch hier die Minuten fast im Flug. Was besonders ins Gehâr fÀllt, sind die klaren und deutlichen Worte, die man auch ohne vorliegenden Text gut verstÀndlich erschließen kann. Dieser Aspekt dürfte Vielen zusagen, die besonders auf Lyrik Wert legen. Die Stimme wurde dezent mit etwas Hall versehen, nicht ganz so markant wie bei Primaire, jedoch passend und stimmig. Das rollende R sei hier besonders erwÀhnt. WÀhrend die Vorkapelle auf kreischende Riffs setzt, übt sich Helsang in dumpferen KlÀngen und schafft so eine wirklich gelungene contraire Spielart. Auch das Tempo ist deutlich langsamer und melodischer gehalten, so wird bei Helsang auf einzelne GitarrenklÀnge gesetzt, die auf verspielte Art und Weise dann zu aggressiveren Teilen über geht.

Kaum hat man mit dem zweiten Teil begonnen, ist auch dieser schon wieder vorüber und entschließt sich, die gebotenen Titel noch einmal erneut zu Gemüte zu führen.

Titel:

1. Heimdalls Ruf (Einklang)
2. RagnarΓΆk
3. Berzerker
4. Midgards Verfall


Fazit:

Primaire und Helsang bieten hier in perfektem Gegenspiel, jedoch in sehr intensiver Art, jede Truppe fΓΌr sich gesehen ein herrlich gelungenes Werk. Beide verfolgen vΓΆllig unterschiedliche Spielarten, die in diesem Zweiteiler eine sehr gelungene Mixtur und Abwechslung bereitstellt. Ich bin eher ein Freund von Vollalben, allerdings muss ich hier zugeben, dass die gebotene Mischung durchaus zu begeistern weiß. Von aufgestellten Nackenhaaren, bis hin zu einer Reise in die Weiten Helheims, die von KΓ€lte begleitet wird. Es bleiben – zumindest bei mir – keine WΓΌnsche offen und ich kann an dieser Stelle nur meine Empfehlung aussprechen. Wer dieses Werk noch nicht sein Eigen nennen darf, sollte dies schnell Γ€ndern und sich den KlΓ€ngen beider Kapellen hingeben. Jede fΓΌr sich leistet hier großartige Arbeit!

ErhΓ€ltlich ist das gute StΓΌck bei den jeweiligen Interpreten und bei:
https://www.vamamargaproductions.com

Bilder: Primaire und Helsang
Rezension: Todfeind