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Eine Dekade oder besser gesagt 10 Jahre sind, wenn man zurรผckblickt, eine wahnsinnig lange Zeit. Manch junger Knabe ist in dieser Zeit zu einem Mann herangereift, mancher, ehemals junge Mann spรผrt mittlerweile den Zahn der Zeit langsam an sich nagen und so mancher Trend innerhalb der Scharzmetallszene ist gekommen und wieder in der Versenkung verschwunden. Eine lange Wartezeit also fรผr jene, welche nach Endzeit auf ein neues Album der thรผringer Tyrannen von Totenburg gewartet haben. Viele Leute werden wahrscheinlich bereits angenommen haben, dass die einstmals recht produktiven Kรถpfe hinter der Band diese zu Grabe getragen haben, bis im Sommer des Jahres 2018 ein heftiges Poltern am modrigen Sargdeckel Totenburgs zu vernehmen war, als die Thรผringer eine Gemeinschaftsverรถffentlichung mit Wehrhammer unter das Volk brachten. Pรผnktlich um das heilige Fest der Kirche zu entweihen, wurde der Sargdeckel fortgestoรŸen und es sollte nicht die Geburt des heiligen Kindes sondern die Wiederauferstehung Totenburgs zelebriert werden, frรถhlich tanzend ,,Jenseits des Grabesโ€.
Welche finsteren Lieder die Thรผringer fรผr diese Feierlichkeit aus dem Jenseits mitgebracht haben und ob diese an ihre, zu Lebzeiten erschaffenen Glanztaten anknรผpfen kรถnnen, soll diese Rezension klรคren.


Fรผr diese Rezension liegt uns die Vinyl-Version des Albums vor und wer den Hammerbund kennt weiรŸ, dass der Hรถrer hier eine gewohnt gelungene Qualitรคt geboten bekommt. Das Cover, eigens fรผr diese Ausgabe angefertigt und Gevatter Tod darstellend, wirkt hervorragend als Einband fรผr dieses Werk und auch der Einleger, auf welchem die Texte des Albums abgedruckt sind, allesamt lesenswert und klassische Themen wie Tod, Krieg und Kampf beinhaltend, fรผgt sich nahtlos in das Gesamtbild ein. Es wurde ebenfalls darauf geachtet, dass sich die gesamte Gestaltung des Albums an jene, der vergangenen Wiederverรถffentlichungen alter Totenburg Alben orientiert und somit eine Art Zusammengehรถrigkeit der Verรถffentlichungen erzeugt wird.
An der Aufmachung und Gestaltung des fauligen Kadavers gibt es daher nichts zu beanstanden, Zeit also, das musikalische Innenleben unter die Lupe zu nehmen.

,,Finsternisโ€œ, ein ziemlich generischer Name fรผr ein Black Metal Stรผck und doch ist das Wort รคuรŸerst kraftvoll und beschreibt allzu oft perfekt das Lied, welches es den Namen leiht, so auch auf dem Erรถffnungsstรผck von ,,Jenseits des Grabesโ€œ. Im treibenden mittleren Tempo angesiedelt und mit einer, zum Namen passenden Atmosphรคre ausgestattet, ergieรŸt sich eine pechschwarze, zรคhflรผssige Masse รผber den Hรถrer, diesen vรถllig mitreiรŸend. Trotz des Verzichts auf ein schnelles Tempo, bleibt man dennoch รคuรŸerst rรคudig und brutal, macht keine Gefangenen und stellt unter Beweis, Totenburg stehen auch 2019 fรผr deutschen Schwarzmetall der alten, thรผringischen Schule.

,,Eine feste Burgโ€œ, erรถffnet durch, der Name lรคsst es bereits erahnen, mittelalterliche Gitarrenklรคnge, schlรคgt in eine รคhnliche Kerbe. So einige rรคudige Gitarrenlรคufe bohren sich auch hier in die Gehรถrgรคnge und der Schlussteil lรคsst, bei entsprechender Lautstรคrke, fรถrmlich die Wรคnde beben und fรผhrt eindrucksvoll den, im Text beschworenen Moloch einer Burg, dem Hรถrer vor das geistige Auge. Der eigentliche Hรถhepunkt des Liedes sind allerdings die erhabenen, รผber dem Lied thronenden, eingรคngigen Melodien. Ohne kitschig oder zahnlos zu wirken, haben Totenburg hier einen ordentlichen Ohrwurm geschaffen, der durch die etwas lรคngere Spielzeit zusรคtzlich profitiert. Sรคmtlichen Ideen wurde dadurch Zeit zum Atmen gegeben, was sich hรถrbar positiv niederschlรคgt und insgesamt wirkt, wie eine reifere Fortfรผhrung der harmonischen Elemente, welche zwischen dem brutalen Chaos des Albums ,,Endzeit“ immer wieder durchschienen. Verwunderlich ist es daher kaum, dass sich diese Klangfรผlle und das Versprรผhen von Atmosphรคre in den weiteren Stรผcken auf ,,Jenseits des Grabesโ€œ fortsetzt. Stรผcke wie ,,Zwรถlf Schwerterโ€œ, ,,Gรถtterzornโ€œ oder auch das abschlieรŸende ,,Totenbrandโ€œ weisen, mal stรคrker, mal weniger stark vertretende Melodien auf, die sich im Ohr festsetzen und zudem jedem Lied ihre eigene, unverkennbare Identitรคt geben, ohne dabei aus dem Gesamtbild des Albums zu fallen. Hรถhepunkt des Albums stellt aber unverkennbar das Erรถffnungsstรผck der B-Seite dar. ,,Sternenlichtโ€œ bietet auf knapp รผber neun Minuten das wohl mit der epischsten Atmosphรคre ausgestattete Lied Totenburgs und brilliert durch seinen Ohrwurmcharakter, der bereits angesprochenen, mit dem Messer zu schneidenden Atmosphรคre und vor allem der leidenschaftlichen stimmlichen Darbietung seitens A.S. und einer bekannten Gaststimme, welche den Hauptteil des Liedes รผbernimmt. Zu erraten, wer hinter dem Pseudonym ,,The True Wolfโ€œ agiert, dรผrfte jedem Anhรคnger des deutschen Schwarzmetall Untergrund nicht schwerfallen.

Wer bis jetzt aber denkt, ,,Jenseits des Grabesโ€œ ist nur die Wiederauferstehung eines zahnlos gewordenen Raubtieres und Totenburg fallen dem leichtverdaulichen, rein melodischen Black Metal anheim, der kann an dieser Stelle beruhigt werden. Auch wenn das Gaspedal in den seltensten Fรคllen durchgetreten wird und der Anteil an Melodien um einiges hรถher als auf den Vorgรคngerwerken ist, so enthalten alle Lieder dreckige, Midtempo-Walzer als Passagen, welche ordentlich Kรถpfe rollen lassen, sowie die ein oder andere Andeutung an die vergangenen Schaffensphasen der Band, wie z.B. das prominentere Bassspiel auf ,,Totenbrandโ€œ, welches Erinnerungen an das Stรผck ,,Dรคmonen des Wahnsinnsโ€œ weckt. Totenburg bleiben eben auch nach 10 Jahren im Grabe unverkennbar Totenburg!


Fazit:

Kommen wir nun also zum Fazit und der abschlieรŸenden Beantwortung der eingangs aufgestellten Frage, ob ,,Jenseits des Grabesโ€œ sich in den Reigen der starken, vergangenen Totenburg Alben, wie Pestpogrom oder Endzeit, einreihen kann. Diese Frage lรคsst sich ohne Mรผhe mit Ja beantworten. Hier werden Ideen und Ansรคtze, welche auf den vergangenen Alben Totenburgs eher eine untergeordnete Rolle spielten, immer aber eine sinnvolle Ergรคnzung darstellten, in den Vordergrund gerรผckt, was Totenburg im zweiten Jahrzehnt, des zweiten Jahrtausends einen frischen und doch gleichzeitig einen vertrauten Anstrich verpasst. Man merkt, dass die Wiederkehr der Thรผringer keine Leichenfledderei an alten Meisterwerken sein sollte, sondern ein neuer Meilenstein im Schaffen der Gruppe zur Erรถffnung einer neuen Phase in der Bandgeschichte. Die Thรผringer sind also nach 10 Jahren mit einem Album zurรผckgekehrt, welches alten Anhรคngern sicher รคuรŸerst gefallen und bisher abgeneigten Hรถrern einen Einstieg in das Schaffen Totenburgs ermรถglichen wird. Fรผr uns definitiv eines der besten Alben des Jahres 2019, welches auch 2020 noch viele Umdrehungen auf dem Plattenteller erfahren wird. Die klare Kaufempfehlung unsererseits sollte also offensichtlich sein!

Erwerben kann man das Album, wie auch die restlichen Verรถffentlichungen von Totenburg, beim Hammerbund!

Text: Eirikr
Bilder: Hammerbund & Totenburg