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Dieser Tage traf die Nachricht der Truppe „Hohenstein“ bei uns ein, ob wir uns denn nicht einmal ihrem neuen Werk „WeiรŸer Hirsch“ widmen wollten, die Antwort fiel entsprechend aus und so befinden wir uns mitten im musikalischen Reigen der Niedersachsen! Am vierten April diesen Jahres soll „WeiรŸer Hirsch“ รผber Purity-Through-Fire als CD und รผber Worship Tapes als Kassette erscheinen. Ob sich ein Reinhรถren und die daraus resultierende Anschaffung lohnt, sollen folgende Zeilen klรคren.

Cernunnos, der Mann hinter der ebenfalls niedersรคchsischen Tonschmiede „Meuchelmord“ erschuf, zusammen mit Caedem, 2018 das Nebenprojekt Hohenstein, und verรถffentlichte alsbald die erste Demo im Jahr 2019. Nun soll es entsprechend in die nรคchste Runde gehen und das erste Vollwerk den Schwarzmetall bereichern. Dem geneigten Interessenten erwarten insgesamt neun (9) Titel mit einer ungefรคhren Spieldauer von 42 Minuten, was wohl dem allgemeinen Durchschnitt entsprechen dรผrfte.


Optisch bekommen wir ein achtseitiges Beiheft geboten, mit handgefertigten Zeichnungen und den dazugehรถrigen abgedruckten Texten, fรผr das bessere Verstรคndnis. Das Design ist schlicht aber durchaus gelungen und insbesondere die Zeichnungen erwecken das Gefรผhl, ein altes Sagenbuch in den Hรคnden zu halten. Die lyrischen Darbietungen geben zugleich ein Gesamtbild, รผber das Konzept des neuen und ersten Vollalbums. Die Zeichnungen stammen im รผbrigen aus der Feder oder besser gesagt dem Bleistift von „Blutschwur Illustrationen“.


Wie Eingangs erwรคhnt bekommt der Hรถrer neun Tonstรผcke geboten, die allesamt inhaltlich einem Konzept folgen. Zwischen den eigentlichen lyrischen Werken befindet sich auch ein rein instrumentales Tonstรผck mit dem Namen „Brรธhn“, dass wie eine Auszeit wirkt und dem Hรถrer etwa fรผnf Minuten zum Erholen bieten. Die Klรคnge schicken ihn auf eine Zeitreise und ermรถglichen eine beinahe Tiefenentspannung. Mit „Kriegsvintar“ und „Neue Ufer“ haben wir zusรคtzlich zwei rein musikalische Stรผcke, die jedoch mehr als Ein- und Ausklang zu verstehen sind. Insbesondere „Kriegsvintar“ bietet eine herrlich inszenierte Einleitung, die auf kommende Stรผcke vorbereitend wirkt. Mit mรคchtigen Kriegstrommeln und rauem Schlachtgetรถse geht es postwendend in die Vergangenheit, in die Zeit der Heldensagen, der Krieger und der Zeit, als Mensch und Natur eins miteinander waren. Der darauffolgende Titel „Sundalschlacht“ dรผrfte wohl eine der bekanntesten Schlachten aus dem 8./9. Jahrhundert gewidmet sein.

„Sie kรคmpfen aus Hass, Gier und Neid, wir verteidigen unsere Gรถtter, unser Leben und unsere Freiheit!โ€œ, schrie Sachsenherzog Widukind seinen Mรคnnern zu. โ€žSiegen wir, dann sind wir wieder ein freies Volk!โ€œ Dann riss er die Faust hoch und stรผrmte mit blitzendem Schwert auf die feindlichen Reihen los. Dicht hinter und neben ihm mit wildem Gebrรผll seine Kampfgefรคhrten.“ – Auszug aus der Sundalschlacht

Musikalisch geht es hier erstmals in die Vollen, reiรŸerische Gitarrenriffs, die von einem im mittleren Tempo angesiedelten Schlagwerk begleitet werden. Somit bewegt sich „Sundalschlacht“ im epischen Bereich, nicht zu hektisch, nicht zu einschlรคfernd, einfach mitreiรŸend und man bekommt ein Gefรผhl fรผr die Kรคmpfe, die dort ausgetragen wurden. In รคhnlichem Stil bewegen sich auch die darauffolgenden Tonstรผcke, die alle perfekt miteinander harmonieren. Sie bilden ein fortlaufendes, Geschichten erzรคhlendes Gesamtprodukt.

Bei Hohenstein sollte man sich bewusst sein, dass man hier kein rohes Geknรผppel zu erwarten hat. „WeiรŸer Hirsch“ bewegt sich ausschlieรŸlich im Midtempobereich und zieht diesen gewรคhlten Stil von Anfang bis Ende konsequent durch. Es ist ein eher melodisches Werk, dessen es aber nicht an nรถtiger Hรคrte fehlt. Ein gut kombinierter Spagat zwischen epischen Klรคngen und einem treibenden Grundgerรผst.

Stimmlich bietet Cernunnos, wie man es von ihm gewohnt ist, vollen Kรถrpereinsatz und seine krรคchzend hohe, aber gut verstรคndliche Stimme, erinnert gern an alte „Immortal Remains“.

Caedem verausgabt sich nicht am Schlagwerk, weiรŸ aber mit reichlich spielerischer Finesse keine Langeweile aufkommen zu lassen, so wirkt keines der Stรผcke Monoton oder trist.


Insgesamt bekommen wir hier 42 Minuten feinsten Schwarzmetall, der stellenweise musikalisch und ebenso inhaltlich seine Finger in Richtung Pagan ausstreckt, ohne dabei kitschig zu wirken oder sich in romantischem Herumgedudel zu verlieren. Ein echter Hรถrgenuss, der zeitgleich eine Geschichtsstunde darstellt. „WeiรŸer Hirsch“, der im รผbrigen keinen eigenen Titel erhalten hat, sondern symbolisch als Wรคchter des Waldes und der Ahnen, nur im Titel „Ahnengrab“ zum Vorschein kommt, ist in allem ein gelungenes Werk.

Wir begeben uns in diesem Album vielmehr auf eine Reise durch vergangene Zeiten, als dass uns hier ein spielerisch รผbertriebenes Album vorgelegt wird, Einprรคgsamer Rhythmus ohne viel Firlefanz. Wer hier also ein musikalisches Epos erwartet, wird enttรคuscht werden. Nichtsdestotrotz bietet Hohenstein ein durchaus solides Schwarzmetallwerk, das vor allem durch Bestรคndigkeit, Rhythmus und Inhalt zu รผberzeugen weiรŸ.

Von meiner Seite aus, kann ich hier eine klare Empfehlung aussprechen, nicht zuletzt auch aus dem Grund, dass ich persรถnlich die langsameren Werke im Schwarzmetall bevorzuge, sondern auch aus dem Grund heraus, dass „WeiรŸer Hirsch“ ein komplett stimmiges und durchdachtes Werk darstellt.


Hohenstein Hรถrprobe <–

Ab 4.4.2020 Hier erhรคltlich <–

Text: Todfeind
Bilder: Hohenstein