Silberbach – „A Prayer of Mass Destruction“ – Albumanalyse

Vor einigen Tagen erreichte uns die Botschaft, dass die deutschen Black Metal Urgesteine Silberbach ihr aktuelles Album „A Prayer of Mass Destruction“, in Kooperation mit dem Knochensack Versand, nun auf Vinyl verรถffentlicht haben, knapp vier Jahre nachdem das Album auf CD das erste Mal das Licht der Welt erblickte. Ob das Album musikalisch was taugt und ob dem Hรถrer mit der LP auch optisch was geboten wird, soll diese Albumbesprechung klรคren.

Beginnen wir mit dem ersten Eindruck, dem Optischen. Dieser prรคsentiert sich als ein Augenschmaus, die auf 300 Exemplare limitierte LP kommt mit einem hervorragend gestalteten, aufklappbaren Cover, welches sรคmtliche Texte enthรคlt und zwei giftgrรผnen Schallplatten daher, deren Farbe auch wunderbar mit der des Covers harmoniert. Um noch einen zusรคtzlichen Anreiz zum Erwerb der LP zu gewรคhren, liegen den ersten 150 Exemplaren noch ein Aufnรคher der Band, eine zusรคtzliche CD mit dem bisher unverรถffentlichten Lied, welcher auch auf Seite D der Platte zu finden ist und Autogramme der Bandmitglieder bei. Die CD, welche sich in einem schicken aufklappbaren Pappschuber befindet und der Patch sind ebenso hochwertig gestaltet und produziert wie die LP selbst, hier merkt man, dass sich Mรผhe gegeben wurde den eigenen Anhรคngern etwas besonderes zu prรคsentieren und keinen lieblosen Mรผll vor den Latz zu knallen.


Musikalisch verhรคlt es sich ebenso, nach einem kurzen Intro in Form von „The Plague Pits“, welches sein Ziel, eine unheimliche Atmosphรคre zu kreieren vollends erfรผllt, bricht der Sturm mit „Bloody Halo“ los. Das gesamte Stรผck ist geprรคgt von treibenden Riffs und einem ebenso treibenden Schlagzeug und schafft es somit vom ersten Moment an eine bedrohliche Stimmung zu schaffen. Unterbrochen wird diese im Verlaufe des Stรผckes durch einige kurze ruhige Passagen, welche die Spannung steigen lassen, nur um diese anschlieรŸend wieder in einem bedrohlichen Sturm zu entladen. Ein gelungener Einstand in die Platte.

Auf dem selben Niveau folgt „I Pray for Mass Destruction. Die beรคngstigende Stimmung unterstรผtzt durch einige, zum Spannungsaufbau genutzte langsame Parts, wird hier hervorragend weitergefรผhrt. Die zwei eingesetzten Soli sorgen dafรผr, dass die angesammelte Spannung ebenso fulminant entladen wird, wie sie aufgebaut wurde.

Auch „Quis Scriptum Serit Ventum Carpet“ schlรคgt in diese Kerbe, doch es wird deutlich, dass sich jetzt eine gewisse mystische Atmosphรคre zu der bisher vorherrschenden bedrohlichen Stimmung gesellt. Besonders deutlich wird dies durch eine langsame Passage im mittleren Teil des Liedes wo Bass und Schlagzeug unterlegt von Windrauschen und spรคter ergรคnzt durch die Gitarren, eine dichte Atmosphรคre heraufbeschwรถren. Diese ruhige Phase entlรคdt sich allerdings wieder in einem erneuten hervorragenden Solo und die allgegenwรคrtige Hรคrte dieses Albums kehrt zurรผck.

Der zweite Teil des Albums wird durch ein kurzes Zwischenspiel, mit den Namen „A Presence Is Felt in the Old Attic“ eingeleitet, welches dem Hรถrer eine kurze Verschnaufpause gรถnnt, nur um ihn in den Wahnsinn des wohl besten Stรผckes dieser Platte mit dem klangvollen Namen „My Kingdom in Sickness and Madness“ zu stรผrzen.

Der Name ist hier auch Programm, der Wechsel aus unheimlich dissonanten Riffs und kurzen Ambient-Passagen erschafft eine unwirkliche Atmosphรคre, als wรผrden die Gedanken eines Wahnsinnigen vertont werden. Untermalt wird dies zusรคtzlich durch eine lange Ambient-Passage in der Mitte des Liedes, in dem eine Orgel begleitet vom Schlagzeug und diversen seltsamen Hintergrundgerรคuschen den Puls in die Hรถhe treiben. Der Kreislauf schlieรŸt sich und der ruhigen Abschnitten folgen die dissonanten Riffs vom Anfang, welche das Stรผck auch hervorragend abschlieรŸen.

Eingeleitet von einem interessanten Drumsolo geht der Sturm in „Thousand Nails“ weiter, welcher nach einem Drittel des Liedes wieder durch einen kurzen Ambient-Einschub unterbrochen wird. Die Ruhe wรคhrt allerdings nicht lange und ein erneutes Schlagwerksolo und die darรผber spielenden Gitarren werfen den Hรถrer wieder zurรผck ins Gemetzel.

Das letzte Lied „The Descent of Jesus into Hell“ vereint nochmal alle Stรคrken des Albums, treibende Momente werden von kurzen Ambient-Parts abgelรถst und die bis zum Schluss aufgebaute Spannung entlรคdt sich in einem abschlieรŸenden Gitarren- und Drumsolo. Das nun folgende „Beyond the Threshold of Eternity“ schlieรŸt dann das Album mit einem gut gemachten Klavierspiel ab und erzeugt bei dem Hรถrer das Gefรผhl, endlich aus einem furchtbaren Albtraum erwacht zu sein.

Auch textlich gibt auf „A Prayer of Mass Destruction“ nichts zu beanstanden. Geboten werden klassische antichristliche, blasphemische und okkulte Texte, welche zwar das Rad nicht neu erfinden aber jederzeit stimmig, passend zum Lied gewรคhlt und gut geschrieben sind.


Aleister Crowley

Kommen wir nun zum Bonusstรผck dieser LP-Version, mit dem Titel „A Glimpse in the Obsidian Abyss“, welches eine vertonte Version des Gedichtes „The Pentagram“ des berรผhmten Okkultisten Aleister Crowley darstellt. Das ganze Lied verlรคuft sehr schleppend und ist in einem langsamen Tempo gehalten, welches nur durch einige Midtempo-Einsprengsel durchbrochen wird. Dieser Mix aus beiden Tempi erzeugt eine surreale und hypnotisierende Atmosphรคre und diese wird auch รผber die 25 Minuten konstant aufrecht erhalten. Hier setzt auch die groรŸe Stรคrke des Songwritings ein, die seltsame Stimmung die Crowleys Gedicht beim Leser erzeugt, wird musikalsich umgesetzt und nach jedem Element welches der Mensch im Gedicht bezwingt, setzen Gitarrenleads, orchestrale Keyboardklรคnge oder sogar eine Geige ein, um den Hรถrer immer tiefer in das Geschehen zu ziehen. Man begleitet sozusagen den Menschen auf seinem schweren aber stetigen Weg, sich die Welt untertan zu machen.

Zwar dรผrfte dem ein oder anderen Hรถrer das langsame, monotone Tempo missfallen, doch wer sich die Zeit nimmt und sich diesem Stรผck widmet, der wird hier ein einzigartiges Hรถrerlebnis finden, was im Black Metal nur noch selten zu finden ist und von dem sich so manche Band, welche sich als okkult prรคsentiert, eine Scheibe abschneiden sollte!


Fazit:

Was lange wรคhrt wird bekanntlich gut, heiรŸt es im Volksmund und dies trifft auch auf „A Prayer of Mass Destruction“ und seine Vinyl-Fassung zu. Sowohl optisch, als auch muskalisch wird hier einiges geboten, sei es das abwechslungsreiche Songwriting, der รผbrragende Gesang oder die dichte Atmosphรคre und auch die Bonus-EP weiรŸ zu hundert Prozent zu รผberzeugen.

Daher eine uneingeschrรคnkte Kaufempfehlung von uns.

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Die Lp gibt es hier zu erwerben (Knochensack):ย http://www.knochensack.com