Fastnacht, Karneval oder Fasching?

wpf5792474_05_06Das Brauchtum welches man in der Zeit vor der sechswΓΆchigen Fastenzeit pflegt, ist ebenso vielfΓ€ltig wie seine regional wechselnden Bezeichnungen.
VorlΓ€ufer der heute christlich geprΓ€gten FestivitΓ€ten, wurden bereits vor 5000 Jahren im alten Babylon begangen, was aus alten Inschriften ersichtlich ist. Interessant ist, dass in diesen ErwΓ€hnungen erstmals ein charakteristisches Prinzip des heutigen Karnevals beschrieben wird, nΓ€mlich das Gleichstellungs oder Umkehrungsprinzip, sprich der Herr ist dem Sklaven fΓΌr diese Festzeit gleichgestellt oder tauschen sogar ihre Rollen.
In allen Kulturen des Mittelmeerraumes lassen sich Γ€hnliche Feste, die meist mit dem Erwachen der Natur im FrΓΌhling in Zusammenhang stehen, nachweisen: In Γ„gypten feierte man das ausgelassene Fest zu Ehren der GΓΆttin Isis und die Griechen veranstalteten es fΓΌr ihren Gott Dionysos und nannten es Apokries.


Auch die rΓΆmischen Saturnalien haben gewisse BezΓΌge zu den heutigen KarnevalsbrΓ€uchen, erwΓ€hnenswert sind hier die farbenprΓ€chtigen UmzΓΌge bei denen Schiffswagen umhergezogen wurden, oder aber wieder der charakteristische Rollentausch zwischen Herr und Sklave.
Auch keltisch-germanisches Brauchtum muss als Ausgangspunkt der Karnevalsfeier gelten gelassen werden. In vielen Masken, Figuren und BrΓ€uchen erkennt man vorchristliche Riten, beispielsweise solche, die den Wechsel vom kalten Winterhalbjahr in das warme und fruchtbare Sommerhalbjahr beinhalten. Den Winter habe man versucht zu vertreiben, indem man sich als Geister, Kobolde und unheimliche Gestalten aus der Natur verkleidete und mit HolzstΓΆcken wild um sich schlug oder mit einer Rassel oder Ratsche (Schnarre) Krach machte. Bei FastnachtsbrΓ€uchen in Tirol und SΓΌdtirol findet die Symbolisierung des Kampfes zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gut und BΓΆse, zwischen FrΓΌhling und Winter immer noch statt. Beispielhaft dafΓΌr ist der Egetmannumzug in Tramin oder das Mullerlaufen in Thaur.
Allerdings ist davon auszugehen, dass ΓΌber mehrere Jahrhunderte keine Feste Γ€hnlich der Fastnacht stattfanden, sondern diese eher im hohen und spΓ€ten Mittelalter mit der Fastenzeit entstanden.


Im mittelalterlichen Europa feierte man zwar in Kirchen, jedoch nicht offiziell kirchlich, Narrenfeste vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts um den Epiphaniastag, den 6. Januar. Dabei ΓΌbernahmen die unteren Kleriker vorΓΌbergehend Rang und Privilegien der hΓΆheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert. Selbst ein Pseudopapst wurde gekΓΌrt, am 28. Dezember, am Tag der unschuldigen Kinder, wurde oftmals ein Kinderbischof gekΓΌrt, welcher im Rollentausch dem Pseudopapst gleichkam. In Gestalt von Prozessionen wurden auch die Bewohner der StΓ€dte am Fest beteiligt. Auch wΓ€hrend der eigentlichen Karnevalstage waren Narren- oder Eselsmessen weit verbreitet.
Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren in seinem Werk De civitate Dei zurΓΌckgefΓΌhrt. Die Fastnacht steht daher fΓΌr die civitas diaboli, den Staat des Teufels. Daher wurde die oftmals ausartende Fastnacht von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass die civitas diaboli wie auch der Mensch vergΓ€nglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. WΓ€hrend die Kirche bei gotteslΓ€sternden Szenen wΓ€hrend der Fastnacht untΓ€tig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt.
Wir sehen anhand dieses Festes wieder ganz klar die stupiditΓ€t dieser ΓΌberflΓΌssigen, artfremden WΓΌsten Religion. Was wahr und richtig ist, steht von alleine und braucht keiner BestΓ€tigung durch Mummenschanz.


Über die heutige AusprΓ€gung der Karnevalsfeiern wollen wir uns hier nicht weiter auslassen, wir sind ja schließlich keine Moralapostel und wollen auch nicht katholischer als der Papst selber sein. Fest steht, gefeiert wurde immer und gerade die Antike und das Mittelalter waren fΓΌr ihre Ausschweifungen bekannt. Anbei noch eine belustigende Anekdote aus dem KΓΆlner Karneval: „Am 26. Oktober 1353 wurde verdeutlicht, dass der Erzbischof Wilhelm von Gennep den Klerikern und Ordensleuten verbot, Bier und Wein zu verkaufen oder auszuschenken; das bewies, dass offensichtlich zu Karneval ein großes Interesse an alkoholischen GetrΓ€nken bestand.“
Ob ihr nun feiert oder nicht, frei habt oder arbeiten mΓΌsst, wir wΓΌnschen euch eine angenehme Zeit und einen guten Start ins FrΓΌhjahr, in diesem Sinne „Jedem das Seine!“